ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2006Korruption: Globales Problem im Gesundheitswesen

AKTUELL: Akut

Korruption: Globales Problem im Gesundheitswesen

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Korruptionsschutz-Organisation Transparency International (TI) hat in London ihren Jahresbericht veröffentlicht. Schwerpunkt des „Global Corruption Report 2006“ ist die Korruption im Gesundheitswesen. TI hält das Gesundheitswesen wegen seiner hohen Komplexität für besonders anfällig, was an zahllosen Beispielen illustriert wird. Global gesehen gibt es Korruption auf allen Ebenen des Gesundheitswesens – vom Ministerium bis zum Patienten. Dabei sind der kriminellen Fantasie kaum Grenzen gesetzt. So werden öffentliche Gelder durch korrupte Beamte in private Kassen umgeleitet oder Kliniken von den Mitarbeitern geplündert. Auf den Lohnlisten stehen Angestellte, die gar nicht existieren. Besonders verbreitet sind Bestechungsgelder. In Costa Rica sollen fast 20 Prozent eines internationalen 40-Millionen-Dollar-Kredits, der zur Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen gedacht war, in private Taschen gewandert sein. Dagegen konnten in Großbritannien die Verluste infolge Korruption seit 1999 durch verschärfte Kontrollmaßnahmen um 300 Millionen US-Dollar gesenkt werden.

Beispiele für Korruption sind ein schwungvoller Handel mit gefälschten Medikamenten sowie Marktverzerrungen. Diese ergäben sich, wenn Hersteller durch überdurchschnittliche Gewinne mit einzelnen Medikamenten (blockbuster) in die Lage versetzt würden, die Marketingausgaben so weit zu steigern, dass die Präparate ohne medizinische Notwendigkeit und Nutzen für den Patienten verordnet würden. Die weltweite Korruption im Gesundheitswesen gefährdet nach Ansicht von TI auch den Kampf gegen HIV/Aids. Als Beispiel wird der National Aids Council in Kenia genannt, der unter die Kontrolle von einigen hochrangigen Beamten geraten sei, welche die internationalen Fördergelder über Tarnfirmen systematisch in eigene Kanäle leiten würden.

Als Gegenmittel empfiehlt die Nicht-Regierungsorganisation mit Sitz in Berlin vor allem eine Verbesserung der Transparenz. Geber und Empfänger sollten (am besten im Internet) offen legen, für wen Gelder bestimmt sind, sodass jedermann prüfen könne, ob diese auch ankommen. Die Länder sollten klare Verhaltenskodizes für Angestellte des Gesundheitswesens und für Anbieter aufstellen. Es müsse Regeln zu Interessenkonflikten geben, und die einzelnen Projekte sollten von externen Gutachtern überprüft werden. Ausschreibungen müssten öffentlich und transparent gestaltet und jede aufgedeckte Korruption hart bestraft werden. Rüdiger Meyer
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