ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2006Ärzteproteste: Zu wenig Nachhall in den Medien

BRIEFE

Ärzteproteste: Zu wenig Nachhall in den Medien

Dtsch Arztebl 2006; 103(6): A-330 / B-289 / C-274

Schmidt, Jürgen

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Georg J. Lopata
Foto: Georg J. Lopata
Thomas Gerst vermittelt den Eindruck, dass sich die Ärzte wirksam in Szene setzen und es die Politik schwer haben wird, den niedergelassenen Ärzten weiterhin die Verantwortung für Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen zuzuschieben. Diese Einschätzung bestätigt sich durch die Beobachtung des Geschehens nur bedingt, was sich u. a. daran zeigt, dass abgesehen von einer aktuellen Berichterstattung ein differenzierter Nachhall in den Medien fehlt. Auch der Ministerin Ulla Schmidt gelingt es fast mühelos, die Einkommen der Ärzte in einer vergleichenden Weise ins Visier zu nehmen, die tags darauf von allen Medien wiederholt wird: Nach Ulla Schmidt betragen die durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommen ein Drittel der ärztlichen Bruttoeinkommen. Damit erweist sich als Schwachpunkt der Kampagne, dass eine wirksame Vorbereitung und Begleitung durch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit der verfassten Ärzteschaft und freien Verbände fehlt, mit der zu verhindern gewesen wäre, dass die Ärzte aus der Offensive in die Defensive einer Neiddebatte gezwungen werden . . . Obwohl es in der Vergangenheit nicht daran gefehlt hat, die unzureichende Bezahlung einzelner Leistungen publik zu machen, bestehen in der Öffentlichkeit kaum konkrete Vorstellungen zum verfügbaren Einkommen der Ärzte und der wirtschaftlichen Praxissituation. Das Bruttoeinkommen (Umsatz minus Praxiskosten) eines Hausarztes aus vertragsärztlicher Tätigkeit beträgt in Schleswig-Holstein 72 000 Euro plus ca. 15 000 Euro aus Privateinnahmen, wovon Kran­ken­ver­siche­rung, Rentenbeiträge etc. abzuziehen sind, bevor in den Vergleich mit Arbeitnehmereinkommen eingetreten werden kann. Die Fachärzte liegen zum Teil unter den Bruttoeinkommen der Hausärzte, nur wenige darüber. Zum Vergleich: Die so genannten Gemeindevollkosten (also alles, was eine Gemeinde inkl. aller Zusatzleistungen in den Haushalt einstellt) einer A13-Stelle (z. B. Studienrat) betragen (August 2004) 83 000 Euro, A14 (z. B. Oberstudienrat) 90 000 Euro. Anders ausgedrückt: 50 Prozent aller niedergelassenen Ärzte „verdienen“ weniger als ein Oberstudienrat. Die Ärzte haben dabei nicht nur das unternehmerische Risiko zu tragen und abzusichern, sie müssen sich auch zunehmend damit abfinden, dass ihren Praxisinvestitionen nur ein geringer Erlös bei Praxisaufgabe gegenübersteht . . .
Dr. med. Jürgen Schmidt,
Kaiser-Wilhelm-Allee 2 a,
22926 Ahrensburg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige