ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2006Ärzteproteste: Ein kurzer Ausblick
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LNSLNS Um die berufliche Entscheidung für das Leben zu treffen, sollte man seine Fähigkeiten gut einschätzen können und frühzeitig selbstkritisch werden. Im Rahmen der kinderärztlichen Facharztvorbereitung stehe ich inzwischen vor jenem Punkt, an welchem der Arzt/die Ärztin oftmals unkompliziert neue Wege beschreiten kann. Ich liebe immer noch den Umgang mit meinen kleinen Patienten, meist auch mit deren Eltern, trotzdem stellt sich mir zu aktuellem Anlass die Frage, ob der ehemalige Traumberuf „Kinderarzt in eigener Praxis“ bei allen wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Risiken verwirklichbar ist. Zur Ermutigung denke ich manchmal lethargisch wie frustriert: Kopf hoch, denn wir alle wachsen mit unseren Aufgaben!
Sofern wir Krankenhaus- und Praxisärzte durch Politik und Standesvertretung (KBV) weiterhin mit konstruierten Auflagen in die finanzielle Enge und in private Entbehrungen getrieben werden, zusätzlich uns die Freude an der ärztlichen Tätigkeit genommen wird, wünschte ich, dass wir Ärzte den Verantwortlichen (nicht den Patienten) die „Rote Karte“ zeigen können. Die ersten Schritte dazu werden inzwischen eingeleitet. Die zeitraubenden Protest- und Streikinitiativen vieler Mediziner sind meiner Meinung nach eine verzweifelte wie legitime Reaktion auf die unerträglichen Arbeitsbedingungen, wie sie ausschließlich ein klinisch tätiger Arzt/Ärztin in praxi erlebt! Es gibt kein „Jammern auf hohem Niveau“, wie die Politik zu suggerieren versucht. Gnadenlose Realität ist es, dass viele meiner teuer ausgebildeten Kollegen bald nach Skandinavien oder Australien auswandern. Falls sich für mich die geeignete Alternative findet, so werde auch ich umgehend unser Gesundheitssystem verlassen. Um Deutschland verlassen zu können, fehlt es uns jungen Doktoren oftmals nur an Mut oder Gewissenlosigkeit. Verpflichtung gegenüber (Ehe-)Partnern und Kindern haben wir jungen Fachärzte im Vergleich zu anderen Berufsgruppen, statistisch belegbar, deutlich seltener. Die pro abgewanderten Arzt verlorenen Ausbildungskosten von ca. 350 000 Euro werden über die unverschämt niedrigen Tarifgehälter (1 700 bis 1 800 Euro netto pro Monat)
für Assistenzärzte effektiv refinanziert . . .
Dr. med. Matthias Peisler, Tocklergasse 4, 96052 Bamberg
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