ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2006Arzneimittel: Von der Industrie dominiert
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LNSLNS Bei den Plänen einiger Kassenärztlicher Vereinigungen, nach dem Vorbild der Pharmareferenten eigene Mitarbeiter zur Arzneimittelberatung in die Praxen zu schicken, frage ich mich ernstlich, ob diese von allen guten Geistern verlassen sind. Mit welchen Ressourcen will man denn gegen 16 000 Pharmareferenten, Güterzüge von Werbematerial und eine Unzahl an jedem Wochenende aktiver hochrangiger, aber mit einer leichten Pharma-Schlagseite ausgestatteter Referenten antreten? Doch wohl nicht mit unserer Verwaltungskostenumlage? Es wäre sicherlich wesentlich einfacher, mithilfe einer Organisation, analog der in Amerika tätigen „No Free Lunch“, für Klinik und Praxis als pharmareferentenfreie Zone zu werben. Es muss den Kollegen klargemacht werden, dass sie von einem Referenten im Wesentlichen Werbung und nicht objektive Information zu erwarten haben und mit welchen Mechanismen diese Manipulation abläuft. Ebenso sollte für die Einsicht geworben werden, dass es enorm schwer ist, für die ärztlichen Interessen bei der Diskussion um Arzneimittelregresse zu streiten, solange die Ärzteschaft diesen Balken im biblischen Sinne im Auge hat. „No Free Lunch“ ist im Übrigen selbst im Juristenparadies der Vereinigten Staaten noch nie von der Pharma-industrie verklagt worden. Denn einen Appell, keine Pharmareferenten mehr zu empfangen, kann man nicht gerichtlich untersagen lassen.
Dr. med. Wolfgang Stehle,
Kiebitzweg 2, 26446 Horsten
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