ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2006Arzneimittel: Meine Träume
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ich habe zwei Träume –
1. Das Verordnungs- und Verschreibungsverhalten der Ärzte wird durch industrieunabhängige Information und Fortbildung bestimmt.
2. „Die Ärzte dürfen in ihren Therapie-, Verordnungs- und Beschaffungsentscheidungen nicht in unlauterer Weise beeinflusst werden“ (Zitat aus dem „Kodex der Mitglieder des Vereins Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.“). Das aus dem Altgermanischen stammende Adjektiv „lauter“ bedeutet heute im übertragenen Sinn „grundehrlich, anständig“.
Ulrich Weigeldt, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), hat ein Hauptproblem formuliert, wenn er in dem Artikel „Arzneimittelausgaben“ von Heike Korzilius so zitiert wird: „Drohende Klagen der Pharmaindustrie machen unsere Informationen so unhandlich, dass sie zur Desinformation werden.“ Die Gesundheitspolitiker mögen manche Vorstellungen entwickeln, um die Arzneimittelausgaben zu bremsen – neuerdings das Bonus-Malus-System. Weigeldt bezeichnet es zu Recht als „Angststeuerung durch Regress“ und verweist auf die daraus resultierenden ethischen Probleme für die Arzt-Patient-Beziehung. Die Arzneimittelausgaben werden weiterhin ungebremst steigen, wenn die behandelnden Ärzte mit Desinformationen der pharmazeutischen Industrie (durch Anzeigen in der medizinischen Literatur, durch 16 000 Pharmaberater und durch – leider – sehr viele industrienahe Meinungsbildner) überflutet werden. Der ehemalige Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Horst Seehofer brachte es auf den Punkt: „Die Ausgabensteigerung beruht auf einer aggressiven Strategie international agierender Konzerne“ (KBV Klartext, Januar 2006: 10) . . . Eine rationale (zurückhaltende) Pharmakotherapie auf der Basis industrieunabhängiger Information ist immer auch rationell – also kostengünstig. Dass aber auch diese Kosten aufgrund der sich ändernden Bevölkerungsstruktur auf Dauer langsam steigen werden, wird niemand in Abrede stellen wollen. Bonus-Malus-Regelungen und Schuldzuweisungen an die Ärzte können das Problem nicht lösen (allenfalls verschärfen), solange industrienahe Meinungsbildner desinformieren und solange der „Kodex“ den verantwortlichen „Global Players“ lediglich als Feigenblatt dient und nicht ernsthaft befolgt wird. Unlauteres Verhalten ist unethisch.

Literatur bei dem Verfasser
Prof. em. Dr. Frank P. Meyer, Magdeburger Straße 29,
39167 Groß Rodensleben
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige