ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2006Medizingeschichte(n): Religiöse Heilkunde – Christus medicus

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Medizingeschichte(n): Religiöse Heilkunde – Christus medicus

Schott, H.

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LNSLNS Zitat: „Arzt wird in den göttlichen Schriften unser Herr Jesus Christus genannt – so werden wir auch durch die Aussage unseres Herrn selbst belehrt, wenn er in den Evangelien sagt: ,Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Umkehr‘ (Lk 5,3 f.). [...] Und weil dieser Jesus, der Arzt ist, selbst auch das Wort Gottes ist, sammelt er Arzneien für seine Kranken nicht aus dem Saft der Kräuter, sondern aus der geheimnisvollen Bedeutung seiner Worte. Wenn einer sieht, daß diese Arzneien der Worte ziemlich ungeordnet über die Bücher und über die Felder verstreut sind, und er die Kraft der einzelnen Aussagen nicht kennt, wird er diese als wertlos [...] übergehen. Wer aber einerseits gelernt hat, daß bei Christus das Heilmittel für die Seelen ist, der wird in der Tat erkennen, daß jeder aus diesen Büchern, die in der Kirche vorgelesen werden, die Macht der Worte entnehmen muß, wie von Äckern und Bergen heilbringende Kräuter, damit, wenn irgendeine Krankheit in der Seele liegt, sie geheilt wird durch die Kraft, die geschöpft wird nicht so sehr aus der Kraft des äußerlichen Laubes und der Rinde, als vielmehr aus der Kraft des inneren Saftes.“
Origines: Homiliae in Leviticum. Nach Michael Dörnemann: Medizinale Inhalte in der Theologie des Origines. In: Ärztekunst und Gottvertrauen. Antike und mittelalterliche Schnittpunkte von Christentum und Medizin. Herausgegeben von Christian Schulze und Sibylle Ihm. Hildesheim, Zürich, New York: Olms 2002 (Spudasmata; Band 86), Seite 33. – Origines (185–253/254), Kirchenvater, christlicher Gelehrter. Die zitierte Anschauung von Christus als Arzt und „Heiland“, als „Heilmittel für die Seelen“, ist für die Tradition der religiösen Heilkunde im christlichen Abendland von fundamentaler Bedeutung (unter anderem bei der Glaubens-, Gebets- oder „Geistheilung“, die heute mit Konzepten der Psychotherapie in Verbindung gebracht werden).

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