ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2006Diagnostik von Demenzerkrankungen: Bewertung der PET

MEDIZIN: Diskussion

Diagnostik von Demenzerkrankungen: Bewertung der PET

Dtsch Arztebl 2006; 103(6): A-348 / B-305 / C-290

Holthoff, Vjera A.

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LNSLNS In dem sehr übersichtlichen Beitrag ist die Bewertung der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zur Differenzialdiagnostik demenzieller Erkrankungen wissenschaftlich nicht korrekt zusammengefasst. Dazu seien beispielsweise die Ergebnisse einer europäischen Multicenterstudie aufgeführt. Diese Studie konnte in der frühen Diagnostik demenzieller Erkrankungen demonstrieren, dass die Auswertung von PET-
Messungen des regionalen Glucosestoffwechsels ohne klinische Zusatzinfor-
mation im Vergleich zur klinischen Standarddiagnostik eine Unterscheidung früher bis mittlerer Formen der Demenz vom Alzheimertyp in Abgrenzung zu Gesunden mit einer Sensitivität von 93 Prozent ermöglicht (1). Ferner ist bei Patienten mit Demenz vom Alzheimertyp im frühen Stadium (Mini-Mental-Status-Examination > 24 Punkte) eine Abgrenzung von Gesunden mit einer Sensitivität und Spezifität von je 84 Prozent und 93 Prozent nachgewiesen worden (1). In den umfangreichsten prospektiven Untersuchungen, in der PET-Befunde mit später gewonnenen Autopsiebefunden verglichen wurden, zeigte sich bei der Differenzialdiagnose der DAT in Abgrenzung zu anderen neurodegenerativen Erkrankungen eine Sensitivität von 94 Prozent und eine Spezifität von 73 Prozent (2). Damit sind die mit PET erzielten Ergebnisse mit denen in klinischer Anwendung befindlichen Liquoruntersuchungen (Beta-Amyloid, Tau) vergleichbar. Diese Liquoruntersuchungen werden in dem Beitrag ohne Beschreibung der Sensitivität und Spezifität zur Sicherung der Demenzdiagnose aufgeführt. Die Kostspieligkeit einer Methode wie der PET könnte angesichts der
gesundheitspolitischen Situation dazu führen, dass der wissenschaftlich belegte klinische Nutzen dieses Verfahrens bei der Demenzdiagnostik nicht ausreichend beachtet wird. Umso wichtiger ist es, dass Ärzte vollständig informiert werden und sich selbst eine Meinung bilden können. Es ist richtig, dass PET-Messungen des Glucosestoffwechsels bisher nicht in Leitlinien zur Standarddiagnostik der Demenz aufgeführt sind. Sie sollten aber dann eingesetzt werden, wenn klinische Zweifel an der Diagnose bestehen bleiben, beispielsweise bei Patienten mit jungem Erkrankungsalter im Frühstadium.
Literatur
1. Herholz K et al.: Discrimination between Alzheimer Dementia and Controls by Automated Analysis of Multicenter FDG PET. Neuroimage 2002; 17: 302–16.
2. Silverman D et al.: Positron emission tomography in evaluation of dementia. JAMA 2001; 286: 2120–27.
Priv.-Doz. Dr. med. habil. Vjera A. Holthoff
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Fetscherstraße 74, 01307 Dresden

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