ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2006CaO2-Wert zur Beurteilung der Sauerstoff-Organversorgung – Klinische Bedeutung des Sauerstoffgehaltes: Begrenzte Aussagekraft

MEDIZIN: Diskussion

CaO2-Wert zur Beurteilung der Sauerstoff-Organversorgung – Klinische Bedeutung des Sauerstoffgehaltes: Begrenzte Aussagekraft

Harms, Wolf

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LNSLNS Die Ansicht, dass der CaO2 eine bessere Einschätzung des Sauerstofftransportes im Blut ermöglicht, teile ich. Ich denke aber, dass der CaO2 nur eine begrenzte Aussagekraft über die Oxygenierung des Gewebes besitzt, weil kein lineares Verhältnis zwischen Hämoglobinkonzentration und der Sauerstoffversorgung besteht (unter anderem durch die Abnahme der Viskosität mit zunehmendem Hb). Insbesondere in der Intensivmedizin sehe ich ohnehin wenig Nutzen in der Verwendung eines Messparameters wie des CaO2, für den keine verbindlichen Normwerte bestehen, an denen man sich orientieren kann. Die Expertenmeinung, dass die Halbierung des CaO2 beim ansonsten gesunden Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Gefährdung darstellt, erscheint mir, nicht zuletzt auch aus forensischen Gründen, nicht vertretbar. Die Halbierung des CaO2, zum Beispiel infolge des Abfalls der Sauerstoffsättigung auf 50 Prozent, wird kaum von einem Gesunden über längere Zeit toleriert. Ein Beispiel aus der Höhenphysiologie: In 7 000 m überlebt ein Mensch ohne vorhergehende Höhenadaption die daraus resultierende Sauerstoffsättigung zwischen 50 und 60 Prozent nur für kurze Zeit.
Die vom Autor zitierten Arbeiten zur Sauerstofflangzeittherapie aus den Jahren 1980 und 1981 (aus Ann Int Med und Lancet) bezeichnet er als „placebokontrolliert“. Beide Studien waren jedoch nicht placebokontrolliert, denn in der erst genannten wurde eine unterschiedliche Dauer der Sauerstoffgabe (12 h täglich versus Dauergabe) untersucht und in der zweitgenannten eine Therapie mit Sauerstoff mit einer Therapie ohne Sauerstoff verglichen.

Dr. med. Wolf Harms
Auf dem Lärchenberge 14B
30161 Hannover

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