ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2006CaO2-Wert zur Beurteilung der Sauerstoff-Organversorgung – Klinische Bedeutung des Sauerstoffgehaltes: Ergänzungen

MEDIZIN: Diskussion

CaO2-Wert zur Beurteilung der Sauerstoff-Organversorgung – Klinische Bedeutung des Sauerstoffgehaltes: Ergänzungen

Dtsch Arztebl 2006; 103(6): A-350

Strauß, Jochen

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LNSLNS Der Autor beklagt das fehlende Bewusstsein in der Intensivmedizin für den Sauerstoffgehalt des arteriellen Blutes. Das hat seinen guten Grund, denn der Sauerstoffgehalt des Blutes sagt nichts aus über das Sauerstoffangebot und die Sauerstoffaufnahme des Patienten. Der Sauerstoffbedarf ist eine sehr variable Größe (zum Beispiel körperliche Ruhe bis maximale Belastung). Unter physiologischen Bedingungen (vor allem während körperlicher Ruhe) ist der Sauerstoffgehalt des arteriellen Blutes sehr viel höher als erforderlich. Eine Anämie kann ohne Weiteres toleriert werden. Eine Bluttransfusion ist in unseren Augen nicht indiziert, wenn es lediglich um die Einstellung eines normalen Sauerstoffgehaltes (Korrektur des Hb) geht.
Die für den Patienten verfügbare Menge Sauerstoff (das Sauerstoffangebot, DO2) ergibt sich aus dem Sauerstoffgehalt und dem Herzzeitvolumen. Durch Ausgleich von Volumendefiziten und Einsatz von Katecholaminen kann das Sauerstoffangebot auch ohne eine Transfusion gesteigert werden. Davon wird in der Intensivmedizin viel Gebrauch gemacht. Durch die Bestimmung der Sauerstoffextraktion (über die Messung der gemischt-venösen Sauerstoffsättigung) kann die Sauerstoffaufnahme durch den Organismus relativ sicher abgeschätzt werden. Erst die Betrachtung von Sauerstoffangebot und Sauerstoffextraktion ermöglicht eine genaue Einschätzung des Sauerstoffhaushaltes. Die alleinige Betrachtung des Sauerstoffgehaltes ist demgegenüber ohne Bedeutung und spielt aus diesem Grund in der Intensivmedizin eine nachgeordnete Rolle.
Prof. Dr. med. Jochen Strauß
Helios Klinikum Berlin-Buch
Hobrechtsfelder Chaussee 100
13125 Berlin

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