ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2006Standpunkt: Pyrrhussieg
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LNSLNS Es ist grotesk. Das, was der tapfere Kieler Kollege Norbert Jäger vor Jahren vor dem Europäischen Gerichtshof mit Blut, Schweiß und Tränen erstritt – eine endliche Anerkennung der zynisch als Bereitschaftszeit deklarierten und eh schon jämmerlich bezahlten abertausend Nacht- und Wochenenddienste –, ist angesichts der realen Umsetzung des deutschen Arbeitszeitgesetzes zum 1. Januar 2006 in etlichen deutschen Krankenhäusern zur Farce geworden. Inzwischen hoffen die Kollegen, alles möge doch so bleiben, wie es ist, weil das, was kommen könnte, noch viel schlechter wäre als das, was wir immer dachten, schon das Schlechteste sei. Die gegenwärtige Diskussion ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die etwas zum Guten ändern wollten. Es ist ihnen nicht gelungen, weil die Arbeitgeber kosten- und personalneutrale Modelle zur scheinheiligen Umsetzung der Arbeitszeitrichtlinie etablieren oder etablieren lassen – eine Quadratur des Kreises, ein Pyrrhussieg.
Hört man ältere Kollegen „von früher“ erzählen, dann mag man sich fragen, ob damals nie einer gemeckert hat oder wir heute alle nur Weicheier sind. Haben unsere „Helden“ von damals nicht sogar 72 Stunden am Stück geackert und auch noch Spaß dabei gehabt, vom stetigen „Lernen“ ganz abgesehen? Sind wir heute nur zu verwöhnt? Wollen wir immer nur mehr, wie uns auch die Publikumsmedien immer wieder aufs Neue erzählen, wenn Sie uns zu schamlosen Raffkes stempeln? Nein. Ein schlecht bezahlter Arzt wird irgendwann ein schlechter Arzt – das zumindest wussten unsere Vorgänger schon immer. So dürfen wir also gespannt sein, mit welchen Tricks und Potemkinschen Dörferbauten die „individuellen Umsetzungen“ der Arbeitszeitrichtlinie wohl gestaltet werden. Wir teilen dann nicht nur die Berufskleidung und die olfaktorischen Finessen mit den Klofrauen des Landes, sondern auch in etwa den Monatslohn. Dr. med. Michael Feld
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