ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2006zu Zertifikaten: Zweifelhafter Nutzen

VARIA: Schlusspunkt

zu Zertifikaten: Zweifelhafter Nutzen

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Die Fußball-WM hat doch tatsächlich die Werbestra-
tegen bei der Hypovereinsbank beflügelt. „Mit dieser Aufstellung erzielen Sie einen Volltreffer“ und „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ bereiten die Münchener den Boden für ein neues Anlageprodukt unter dem Namen „HVB Best of Fonds Zertifikat“.
Der Clou bei diesem HVB Best of Fonds Zertifikat ist nach Aussagen der Hypovereinsbank, dass der Anleger mit diesem Produkt mit drei Top Fonds gleichzeitig ins Rennen geht und zwar auf der Rentenseite mit dem „Activest Total Return D“ sowie bei Aktien mit dem „Pioneer Funds – Top European Players“ und im Rohstoffsektor mit dem „Aktivest Commodities C“.
Aber: Der Anleger erwirbt nicht die Fonds direkt, sondern nur einen Auszahlungsanspruch nach einem – aus Sicht des Emittenten – besonders findigen Modell. Am Ende der Laufzeit (Anfang 2013) wird nämlich erst einmal festgestellt, wie sich die Fonds im Detail entwickelt haben. Der Sieger geht dann mit der höchsten Gewichtung, nämlich zu 50 Prozent, in die Berechnung des Rückzahlungsbetrages ein, der Zweitplatzierte wird mit einer Quote von 40 Prozent berücksichtigt und der Looser lediglich mit zehn Prozent.
Klingt eigentlich ganz attraktiv, endlich hat mal jemand die Interessen der Anleger ernsthaft in Erwägung gezogen, mag der flüchtige Leser erfreut denken. Doch der Teufel steckt, wieder einmal, im klein gedruckten Detail, und das hat es durchaus in sich.
Das Zertifikat kostet anfänglich 102,50 Euro inklusive Ausgabeaufschlag, wobei nicht auf den ersten Blick klar ist, wie hoch dieses Agio denn nun wirklich ist, zumindest ist die Zahl konkret in den HVB „Zahlen, Daten, Fakten“ nirgends zu finden, lässt sich aber über die Stückelung von 100 Euro je Zertifikat leicht mit 2,5 Prozent ermitteln.
Wer nun aber noch glaubt, dass, wenn der beste Fonds
am Laufzeitende beispielsweise einen Kurs von 100 habe, dieser dann auch so mit 50 Prozent gewichtet wird, irrt. Berechnungsgrundlage für die Gewichtung ist nämlich eine Durchschnittsgröße, die über sage und schreibe 84 Bewertungsstichtage ermittelt wird. Querschnitte führen aber eher zu niedrigeren Auszahlungssummen.
In einem eigenen Szenario unterstellt die HVB, dass nach einer Laufzeit von sieben Jahren das Zertifikat 171 Euro wert sein kann, aber eben auch nur 94 Euro, je nach der durchschnittlich gewichteten Kursentwicklung aller Fonds. Träte der hier angenommene schlechteste Fall ein, wären nach einer vergleichsweise langen Laufzeit sogar Verluste zu beklagen.
Während der Laufzeit anfallende Ausschüttungen der Fonds werden zudem in der Kursentwicklung des Zertifikats nicht berücksichtigt, also wenn Sie mich fragen, ist nach Abwägung aller Fakten die Erstligareife dieses Zertifikates aus Anlegersicht mehr als fragwürdig.
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