ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2006Narzissmus. Grundlagen – Störungsbilder – Therapie

BÜCHER

Narzissmus. Grundlagen – Störungsbilder – Therapie

Kernberg, Otto F.; Hartmann, Hans-Peter

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Narzissmus: Unterschiedliche analytische Perspektiven
Otto F. Kernberg, Hans-Peter Hartmann (Hrsg.): Narzissmus. Grundlagen – Störungsbilder – Therapie. Schattauer GmbH, Stuttgart, 2006, 792 Seiten, 13 Abbildungen, 19 Tabellen, gebunden, 79 €
Das Buch umfasst 32 Beiträge international renommierter Forscher und Psychotherapeuten zum Thema „Narzissmus“. Auch wenn man nicht dem modischen Trend folgt, immer mehr psychoneurotische Erkrankungen mit dem Etikett „narzisstisch“ zu versehen und von einer Zunahme narzisstischer Persönlichkeitsstörungen zu reden, fordert das Werk Anerkennung dafür, dass hier Narzissmus aus so unterschiedlichen psychoanalytischen Perspektiven wie derjenigen der Triebtheorie, der Selbstpsychologie, der Objektbeziehungstheorie und der Kleinianischen Psychoanalyse betrachtet wird. Dabei kann sich der Leser auf hohem Niveau über die aktuelle Diskussion zu Narzissmus aus den verschiedenen psychoanalytischen Konzeptionen orientieren, wenn auch eine noch deutlichere Auseinandersetzung zwischen den doch sehr divergenten Positionen das Buch bereichert hätte.
Die Beiträge des ersten Kapitels zu den „Grundlagen“ nehmen Freuds „Zur Einführung des Narzissmus“ auf und konfrontieren seine Befunde sowohl mit Weiterentwicklungen der Psychoanalyse selbst als auch mit Befunden der Säuglingsforschung und der allgemeinen Entwicklungspsychologie.
Besondere Beachtung verdient, dass der Narzissmus auch als gesellschaftliches Phänomen untersucht und seine Auswirkungen in politischem Machtmissbrauch oder in der Regression von Großgruppen untersucht wird. Weitere Kapitel sind der psychodynamischen wie auch der deskriptiven Diagnostik und den empirischen Grundlagen zum Narzissmus und zur narzisstischen Persönlichkeit gewidmet.
Für den klinisch tätigen Psychiater und Psychotherapeuten sind die dann folgenden Abschnitte zum Narzissmus bei spezifischen Stö-rungsbildern und in unterschiedlichen Lebensphasen sowie zur Psychodynamik und Psychotherapie narzisstischer Persönlichkeitsstörungen von besonderem Interesse. Diese Kapitel sind praxisnah geschrieben, enthalten Fallvi-
gnetten und weisen detailliert auf die besonderen Übertragungskonstellationen beim Patienten und Gegenübertragungsschwierigkeiten beim Therapeuten hin. Kapitel-überschriften wie „Narzissmus und das dumme Objekt“, „Narzissmus und Liebesbeziehungen“ oder „Der nahezu unbehandelbare narzisstische Patient“ bewirken ein Leseinteresse, das auch bei der weiteren Auseinandersetzung mit den Texten nicht enttäuscht wird. Alf Gerlach
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