ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2006Gebührenordnung: Überarbeitung gefordert

POLITIK

Gebührenordnung: Überarbeitung gefordert

PP 5, Ausgabe Februar 2006, Seite 58

Bühring, Petra

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LNSLNS Bundes­psycho­therapeuten­kammer für breiteres Leistungsspektrum
Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) fordert eine grundsätzliche Überarbeitung der Gebührenordnungen in der privaten (PKV) und in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Den Grund dafür sieht die BPtK darin, dass sowohl die Privatliquidation über die Gebührenordnung für Psychotherapeuten (GOP) als auch der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) für die Abrechnung in der GKV bis auf wenige Ausnahmen nur den in den Psychotherapie-Richtlinien festgelegten Kernbereich der psychotherapeutischen Tätigkeit abbilden.
Psychotherapeuten könnten jedoch einen größeren Beitrag zur Versorgung leisten, als in den Gebührenordnungen abgebildet sei. Handlungsbedarf bestehe bei der Behandlung chronisch psychisch Kranker, die eine längere supportive Behandlung brauchen, um besser am beruflichen und sozialen Leben teilnehmen zu können. Krebskranke Patienten könnten durch psychotherapeutische Maßnahmen bei der Bewältigung ihrer Krankheit besser unterstützt werden. Nicht adäquat abgebildet seien auch Leistungen in der Krisenintervention und Akutversorgung von Patienten, die durch Unfälle oder Gewalteinwirkungen traumatisiert wurden. Auch präventive Leistungen als Bestandteil von Disease-Management-Programmen für chronisch Kranke müssten Niederschlag in den Gebührenordnungen finden. Problematisch ist nach Ansicht der BPtK weiter, dass Maßnahmen der Prävention und Früherkennung psychischer Störungen insbesondere bei psychisch gefährdeten Kindern und Jugendlichen nicht aufgeführt seien. Deutliche Kritik übt die Bundeskammer daran, dass bei der Übertragung der Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ) auf die GOP im Jahr 2001 versäumt wurde, das gesamte Leistungsspektrum der Psychotherapeuten abzubilden. Dies habe auch an der „mangelnden Bereitschaft des Gesetzgebers, die notwendigen Schritte zu unternehmen“ gelegen.
Die BPtK begrüßt daher die Pläne des Bundesministeriums für Gesundheit, ein wissenschaftliches Institut mit dem Entwurf eines neuen Vergütungssystems zu beauftragen, das auch mit der Ausarbeitung einer neuen GOÄ/ GOP beauftragt werden könnte. Dabei geht die BPtK davon aus, dass Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in einem solchen unabhängigen Institut Beratungs- und Mitentscheidungsrechte entsprechend ihrem Versorgungsanteil im ambulanten Bereich erhielten. Nachdem die Pläne zur Gründung eines Instituts im November bekannt geworden waren, hatte sich Ulrich Weigeldt, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, jedoch gegen selbiges ausgesprochen: „Statt immer neue Organisationen zu schaffen und die Bürokratie aufzublähen, sollte man lieber die Kompetenzen derer nutzen, die schon da sind.“
Privat Versicherte schlechter versorgt
Außerdem fordert die BPtK, innerhalb der PKV psychisch Kranke mindestens auf dem Qualitätsniveau der GKV zu behandeln. Privat versicherte psychisch Kranke seien durch die von den Psychotherapie-Richtlinien abweichende Kontingentierung der Leistungen deutlich schlechter gestellt als gesetzlich Versicherte. Auch sollte die Möglichkeit, Psychotherapie als Leistung der PKV zugunsten eines billigeren Tarifes abzuwählen, revidiert werden. Die möglicherweise falsche Einschätzung des Risikos, später psychisch krank zu werden, führe bei Vertragsabschluss zu einer Unterversicherung. Schließlich appelliert die BPtK an die PKV, den Wettbewerbsvorteil des schnellen Transfers – ohne den Umweg über den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss – neuer Forschungsergebnisse in die psychotherapeutische Versorgung umzusetzen. Petra Bühring
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