ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2006Internet-Recherche zum Thema Mobbing: Nützliche Informationen

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Internet-Recherche zum Thema Mobbing: Nützliche Informationen

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Der Begriff Mobbing stammt aus dem Englischen und bedeutet „über jemanden herfallen, anpöbeln“ (mob = Pöbel, mobbish = pöbelhaft). Er wird erst seit 1993 als Fachwort verwendet und sollte nicht für gewöhnliche Konflikte und Streitigkeiten im Berufsalltag verwandt werden (Eichenberg, Klein, Säfken, 2006). Die Methoden des Mobbings sind sehr heterogen: Sie reichen von organisatorischen Maßnahmen, wie Veränderung von Arbeitsaufgaben und -orten, dem Entzug von Entscheidungskompetenzen, der übermäßigen und kleinlichen Kontrolle von Arbeitsergebnissen, ungerechtfertigten Abmahnungen, sozialer Isolierung, Angriffen auf die Person und ihre Privatsphäre, verbalen Drohungen, bis hin zu körperlicher und sexueller Gewalt.
Die Auswirkungen auf die Opfer sind gleichermaßen massiv. Typische Symptome sind Schlafstörungen, depressives Rückzugsverhalten, Reizbarkeit und Wutausbrüche, Versagensangst und Konzentrationsstörungen sowie Kopf-, Rücken- und Nackenschmerzen, die insbesondere in der Anfangsphase des Mobbings auftreten. Eskalieren die Feindseligkeiten weiter, werden die Beschwerden extremer und können sich zu psychischen und somatischen Krankheitsbildern entwickeln. Fischer und Riedesser (2003) sprechen bei Mobbing von einem „menschlich verursachten, absichtlich hervorgerufenem Beziehungstrauma“. Der Mobbingprozess kann also als kumulative Traumatisierung aufgefasst werden, die in der Summe zu denselben traumatischen Folgestörungen führen kann wie beispielsweise sexuelle Gewalt.
Das Internet bietet eine Vielzahl von Informationsangeboten für Fachkreise und Betroffene. Wissenschaftliche Ressourcen finden Fachleute zum Beispiel bei nationalen Einrichtungen wie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Der online abrufbare „Mobbing-Report – Eine Repräsentativstudie für die Bundesrepublik Deutschland“ enthält sowohl Daten zum Ausmaß als auch zur Struktur von Mobbingfällen. Nach einer Definition des Begriffs folgen Informationen zu: „Das Ausmaß von Mobbing in der Bundesrepublik“, „Häufigkeit der Mobbinghandlung und Dauer des Mobbingprozesses“ sowie „Hierarchische Position, Geschlecht, Alter und Betriebszugehörigkeit der Mobber“.
Universitäre Einrichtungen, wie zum Beispiel die Abteilung der Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Frankfurt am Main, gewähren einen Einblick in ihre Forschungsergebnisse (www.psychologie.uni-frankfurt.de/Ab teil/ABO). Im Rahmen einer Dissertation ist die „Analyse sozialer Konflikte und Mobbing am Arbeitsplatz – Eine Tagebuchstudie“ verfasst worden, die im Volltext nachvollzogen werden kann. Außerdem können Publikationen von Prof. Dieter Zapf als pdf-Datei abgerufen werden.
Prof. Heinz Leymann ist ein führender Experte auf dem Gebiet des Mobbings. Seine Enzyklopädie zu diesem Thema ist auf Englisch, Deutsch und Schwedisch aufbereitet (www.leymann. se). Er beantwortet die häufigsten gestellten Fragen (FAQ), zum Beispiel: „Was ist der Unterschied zwischen Mobbing und einem gewöhnlichen Konflikt?“ oder „Gibt es bestimmte Persönlichkeitsmerkmale bei Gemobbten oder bei Mobbern?“. Aufgegriffen werden auch theoretische Hintergründe der Mobbingforschung und die wissenschaftliche Kontroverse zum Mobbingkonzept.
Mit „At the Mercy of the Mob“ ist eine Zusammenfassung der Forschung zu Mobbing am Arbeitsplatz betitelt. Der Aufsatz ist von der Fachzeitschrift Canada’s Occupational Health & Safety Magazine (OHS Canada) publiziert und steht auf den Seiten der Universität Waterloo zum Herunterladen bereit (http://arts.uwa terloo.ca/~kwesthue/ohs-canada. htm). Weitere wissenschaftliche Publikationen finden sich in der Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie (www.hogrefe.de/ao).
Vereine und Verbände
Auch Vereine und Verbände haben sich zusammengeschlossen, um dem Problem Mobbing zu begegnen und Hilfsangebote zu entwickeln. Ihre Online-Präsenzen richten sich meistens sowohl an Fachleute als auch an Betroffene. Der Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V. (VPSM) (www.vpsm.de) bietet multiprofessionelle Beratung an. Psychologen, Sozialpädagogen, Pädagogen und Juristen sowie eine Kooperation mit Allgemeinmedizinern, Psychiatern und Neurologen gewährleisten eine umfassende Hilfe in Form von Beratung, Schlichtung, Vermittlung und Mediation. Neben Informationsveranstaltungen, zielgruppenorientierten Schulungen und Fortbildungen kann auch die Weiterbildung zum Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbingberater absolviert werden. Eine Zertifizierung kann innerhalb von zwölf Monaten bei Vollzeitweiterbildung und innerhalb von 24 Monaten berufsbegleitend erfolgen.
Konkret zugeschnittene Weiterbildungen für beratende Berufsgruppen bietet auch Mobbing-Info (www.mobbing-info.ch) an, ins Leben gerufen vom Institut für Neues Lernen GmbH, Zürich. Das Institut ist spezialisiert auf Krisenintervention in Teams und Gruppen sowie gesundheitsfördernde Projekte für Unternehmen und Bildungsinstitutionen. Eine Aufstellung spezieller Literatur und die Vorstellung eines Videos dienen der Wissensvermittlung und können online bezogen werden. Themen wie Mobbing im Sozialbereich, Mobbing im Bildungswesen, Mobbing im privaten Bereich werden ebenso umrissen wie Prävention, Gesund­heits­förder­ung und juristische Aspekte.
Die Kosten, die durch Mobbing entstehen (Fehlzeiten, Fluktuation, Min-
derleistung) veranschaulicht der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) (www.dgb.de/ themen) an realistischen Beträgen und weist auf Handlungsmöglichkeiten der betrieblichen Interessenvertretung hin. Anmerkungen zum Arbeitsschutzgesetz und zum Sozialgesetzbuch ergänzen das Angebot. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (www.bmwi.de) gibt ein Merkblatt heraus: „Mobbing am Arbeitsplatz“. Wichtige Rechtsprechungen zu Mobbing können eingesehen und Adressen von beratenden Kontaktstellen abgerufen werden.
Nützliche Hinweise zu Entstehung, Bewältigungsstrategien, Konfliktlösung und Prävention finden sich auf den Seiten von mobbing-web (www.mobbing-hilfe-recht.de), einer unabhängigen, privaten Initiative mit Sitz in Berlin. Gesetze zum Thema und Urteile ermöglichen einen Einblick in den juristischen Umgang mit Mobbing. Ein spezielles kostenfreies Rechtsportal zum Mobbing ist Juracity (www.juracity.de/mobbing). Das Angebot enthält eine Vielzahl von Rechtsprechungen, aber auch Mobbinginfos für Betriebs- und Personalräte und Mitarbeitervertretungen. Eine Link-Sammlung und eine Aufstellung von publizierten Aufsätzen in arbeitsrechtlichen Fachzeitschriften erweitern das Angebot.
Der Verein für Arbeitsschutz und Gesundheit durch systemische Mobbingberatung und Mediation e.V. (www.mob bing-net.de) veröffentlicht Artikel mit systemischer Betrachtungsweise von Mobbinghandlungen. Wer ein Mobbingtagebuch führen möchte, kann sich hier anleiten lassen. Den kostenlosen Download einer Mobbingtagebuch-Software kann man unter (http://mobbing.data base-developer.net) tätigen.
Der Verein Konflikt-Lösungs-Initiative Mobbingopfer-Anlaufstelle (KLIMA e.V.) ist aus Anti-Mobbing-Aktivitäten am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hervorgegangen. Bei KLIMA e.V. (www.mobbing-abwehr.de) arbeiten Betroffene und Fachleute verschiedener Fachrichtungen zusammen. Nicht nur Einzelgespräche, Coaching und Mediation zur Lösung von extremen Problemen am Arbeitsplatz gehören in das Tätigkeitsfeld des Vereins, sondern auch professionell moderierte, kostenfreie Gruppenveranstaltungen zum Austausch Betroffener und Interessierter. Eine kostenpflichtige Telefonhotline erweitert die Beratungsmöglichkeiten. Unterschiedliche Beratungseinrichtungen ermöglichen Hilfe und Rat internetbasiert. So beispielsweise die Mobbingberatung Berlin-Brandenburg, ein interdisziplinäres Expertennetzwerk mit systemisch-
lösungsorientiertem Ansatz. Registrierte Mitglieder können sich hier durch
E-Mail-Beratung sowie Chatberatung im Einzelgespräch und im Gruppensetting von dieser Einrichtung (www.das-bera tungsnetz.de) beraten lassen. Wer sich einer Selbsthilfegruppe vor Ort an-schließen möchte, der kann gegen eine geringe Gebühr eine Info-Mappe mit mehr als 170 bundesweiten Adressen beim Netzwerk der Mobbing-Selbsthilfegruppen Deutschland (www.netzwerk-der-mobbingselbsthilfegruppen-deutschland.org) online anfordern.
Engagierte Experten
Auch Einzelpersonen von verschiedenen Berufsgruppen engagieren sich im Netz. Die Mediatorin Magrit Ricarda Rolf initiierte die Mobbing-Zentrale (www.mobbing-zentrale.de). Eine kostenlose Hotline gibt Auskunft über geschulte Ansprechpartner in Wohnortnähe. Im Netzwerk können Betroffene mit einer nach Postleitzahlen gegliederten Suchmaschine Ansprechpartner, wie Rechtsanwälte, Ärzte, Selbsthilfegruppen oder Mobbingberater, recherchieren. Mitschnitte aus TV-Sendungen zum Thema Mobbing können heruntergeladen und mit dem Windows Media Player betrachtet werden.
Einen Mobbing-Selbsttest können eventuelle Opfer auf den Seiten des
Diplom-Pädagogen Ihno Schild (www.mobbing-am-arbeitsplatz.de) durchführen. Eine Adressensammlung, sortiert nach Anlaufstellen für Experten, Beratung für Betriebe und Betriebs- und Personalräte, Vermittlung in Konfliktfällen und Hilfsadressen für Betroffene/Selbsthilfe- und Gesprächsgruppen, als auch Kontakte für Ausbildung, Fortbildung, Informationsmaterial und Forschung können ebenso genutzt werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich virtuell in einem Forum oder einem Chat auszutauschen. Fragen zu Definition, Epidemiologie, Ätiologie, Diagnostik, Therapie und Prognose von Betroffenen beantwortet Franz Engels, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, auf seiner Homepage (www. psychiatriegespraech.de). !
Auch Betroffene zeigen sich im Internet mit eigenen Homepages. Ein Beispiel ist die „Mobbingwerkstatt“ von Gaby (www.mobbingnet.de), die vorbeugende Aufklärungsarbeit zum Thema Mobbing mit Literaturtipps, Betroffenenberichten, einem interaktivem Mobbingspiel sowie einer facettenreichen Linksammlung leisten will.
Mobbing in der Schule
Neben Mobbing am Arbeitsplatz besteht auch ein großes Angebot an internetbasierten Anlaufstellen zu „Mobbing in der Schule“. Eine Webseite
der Universität zu Köln (www.allg-psych.uni-koeln.de/mohseni/mobbing.
htm) stellt eine Reihe von Internetressourcen für verschiedene Zielgruppen (Schüler, Eltern, Lehrer, Schulleiter, Psychologen) zusammen.
Das Webportal „Schüler Mobbing“ ist ein Projekt der Gutenbergschule Riederich (www.schueler-mobbing.de). Neben allgemeinen Informationen und einem Selbsttest mit Sofortauswertung können Jugendliche sich in einem Forum austauschen. Eine separate Rubrik richtet sich an Eltern mit Tipps zur Früherkennung von Mobbing beziehungsweise zum Umgang mit der Mobbingsituation. Lehrer, die sich mit Mobbing an Schulen auseinander setzen wollen, können die Bundesarbeitsgemeinschaft Lehrer gegen Mobbing im Netz aufsuchen (www.bl-mobbing.de). Seit 1993 verfolgt der Verein das Ziel, Gewalt an Schulen aufzudecken, sie öffentlich zu machen und vor allem betroffene Kollegen zu unterstützen. Eine kindgerechte Anlaufstelle findet sich beim Kindernetz Südwestrundfunk (www.kindernetz.de/infonetz/thema/mobbing).

Literatur
Eichenberg C, Klein G, Säfken S: Mobbing. In: Stock S, Schneider P, Peper E, Molitor E (Hrsg.): Erfolgreich promovieren. Ein Ratgeber von Promovierten für Promovierende. Berlin: Springer 2006.

Fischer G, Riedesser P: Lehrbuch der Psychotraumatologie (3. Auflage). München: Ernst Reinhard 2003.

Dipl.-Psych. Christiane Eichenberg, Kareen Portz, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität zu Köln, Höninger Weg 115, 50969 Köln, E-Mail: ei chenberg@uni-koeln.de, www.christianeeichenberg.de
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Abbildung: mobbing-net.de
Abbildung: kindernetz.de

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