ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2006Helmut Schober: Eintauchen ins Unendliche

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Helmut Schober: Eintauchen ins Unendliche

PP 5, Ausgabe Februar 2006, Seite 81

Krannich, Stephanie

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Fotos: privat Mozarts Kompositionen scheinen Helmut Schober in „höhere Sphären“ zu tragen.
Fotos: privat Mozarts Kompositionen scheinen Helmut Schober in „höhere Sphären“ zu tragen.
Die „Licht“-Bilder erschließen bislang unbekannte Dimensionen des Sehens
und Erlebens.

Er hat in der für festgefahren gehaltenen Farb-Malerei neue Wege beschritten, neue Sphären eröffnet – der Österreicher Prof. Helmut Schober. Seine „Licht“-Bilder erschließen bislang unbekannte Dimensionen des Sehens und Erlebens. Ihm gelingt es – mithilfe (als Werksgeheimnis wohl gehüteter) neuer Verfahren, einer Mischung von nahezu ungebundenen, reinen Pigmenten und Graphit reliefartig übereinander aufgetragen – seinen „Schöpfungen“ eine unbegrenzte Dreidimensionalität zu verleihen. Die Einzigartigkeit des Form- und Farbreichtums eröffnen Schobers „Licht-Malweise“ unendlich viele Varianten: Eintauchen ins Unendliche, ins Universum, in unermessliche Zeit. Mit seinen Bildern scheint er gleichwohl Unfassbares aufgespürt, mit durchdachten Titeln („Zeitverzerrung“, „Zeitkollision“, „Vergehen“, „Zeitschub“, „Das All ist leer“) treffend benannt zu haben. Er bezeichnete sich einmal „als Nachtfalter, der unentwegt mit dem Schädel gegen das Licht der Lampen bumst“. Seit seinen ersten Aktionen als Performancekünstler in den 1970er-Jahren zieht sich über figurative Abbildungen während seines gesamten Schaffens bis heute die Trias von Licht, Zeit und Raum, denen Energien, Kräfte, Bewegungen innewohnen: Heraklits „panta rhei“ (es gibt kein bleibendes Sein) verbildlicht, verabsolutiert. Schobers Werke sind stets Unikate mit schwierigem, aufwendigem Entstehungsprozess. Einen Stimulus für seine Lichtbilder und Bildwelten findet Schober zum einen in der quirligen Metropole Mailand, die ihn seit 30 Jahren auflädt. Sein Werk bestimmend ist aber die Musik Wolfgang Amadeus Mozarts. Er perzipiert diese während des Malvorgangs über Kopfhörer. Dabei versucht er jedoch nicht, das Gehörte mit bildnerischen Mitteln im Bild wiederzugeben, abzubilden. Mozarts Kompositionen, so lassen seine Bilder erkennen, scheinen ihn vielmehr in „höhere Sphären“ zu tragen. Mit einer leisen Ahnung dessen, was Ewigkeit bedeuten mag? Vita brevis – ars longa? Auszüge seines 1997 angefertigten zeichnerischen Zyklus und der Gemälde zu Mozarts musikalischen Werken zeigt im Mozartjahr 2006 der Kunstverein Schwetzingen.
Schober nahm bereits frühzeitig zweimal sowohl an der Biennale in Venedig als auch an der Documenta in Kassel teil. Ein Höhepunkt seines Schaffens war die Ausstellung: „Turner and Schober – two creators of light“ im Jahr 2002, für die die Tate Gallery Meisterwerke Turners nach Manchester auslieh. Schobers Bildern ist man erst recht ausgeliefert, wenn man beim Betrachten seiner Bilder ebenfalls Mozarts Musik in sich aufnimmt.
Neue Erlebniswelten
Das Studium des anlässlich der Schwetzinger und Augsburger Ausstellungen im Frühjahr 2006 und in Innsbruck zur Jahreswende 2006/07 erscheinenden hervorragend bebilderten Katalogs mit Texten der Professoren Klaus Kropfinger (Berlin) und Peter Anselm Riedel (Heidelberg) eröffnet auch Kundigen noch neue Sehensweisen, Erlebenswelten. Hierin heißt es: „Offenkundig ist, dass für Schober in der Kunst Mozarts ein Dualismus erfahrbar wird, der ihn existenziell berührt, der Dualismus von Einfachheit und Komplexität, der zugleich ein Dualismus von Heiterkeit und Abgründigkeit, von freundlichem Wink und majestätischer Gebärde ist.“ So dürfte von Schober noch viel Großes zu erwarten sein, der von sich sagt: „Die Arbeit hält mich geistig durstig, morgen ist ein neuer Tag.“ Dr. med. Stephanie Krannich


Ausstellungen mit Werken von Helmut Schober
In Augsburg: Neue Galerie im Höhmann-Haus vom 17. Februar bis zum 30. April. Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags 10 bis 17 Uhr, dienstags 10 bis 20 Uhr. Telefon: 08 21/3 24 41 02.
In Schwetzingen: Orangerie im Schlossgarten (Gemälde), Palais Hirsch (Zeichnungen) vom 13. Mai bis 23. Juli. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 20 Uhr. Informationen: www.mozartways.com.
In Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum vom 1. Dezember bis 11. Februar 2007. Informationen: www.tiroler-landesmuseum.at.
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