ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2006Vibrations-Muskeltraining: Aus der Weltraumforschung in die Kinderklinik

MEDIZINREPORT

Vibrations-Muskeltraining: Aus der Weltraumforschung in die Kinderklinik

Dtsch Arztebl 2006; 103(7): A-382 / B-336 / C-319

Hibbeler, Birgit

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Der neunjährige Jan leidet an der Glasknochenkrankheit. Durch die Therapie mit der Vibrations-Wippe kann er mittlerweile 300 Schritte mit einem Rollator gehen. Foto: Johannes Aevermann
Der neunjährige Jan leidet an der Glasknochenkrankheit. Durch die Therapie mit der Vibrations-Wippe kann er mittlerweile 300 Schritte mit einem Rollator gehen. Foto: Johannes Aevermann
Die Bedingungen auf dem Mars sind nicht gerade menschenfreundlich: 95 Prozent Kohlendioxid bei 0,1 Prozent Sauerstoff in der Atmosphäre und extreme Temperaturschwankungen bei nächtlichen Werten bis zu minus 85 Grad. Allein die Anreise der Astronauten würde etwa zwölf Monate dauern – eine lange Zeit, in der die Muskeln und Knochen in der Schwerelosigkeit an Substanz verlieren. Mit dem Vibrations-Muskeltraining gibt es einen viel versprechenden Ansatz, diesen Substanzschwund zu verhindern (DÄ, Heft 45/2004). Die Erkenntnisse aus der Weltraumforschung kommen nun auch Kindern im Rollstuhl zugute, deren ohnehin geschwächte Muskeln und Knochen durch Immobilität weiter an Kraft und Masse verlieren.
„Auf die Beine“ lautet das Motto des Behandlungskonzeptes der Klinik und Poliklinik für Allgemeine Kinderheilkunde der Universität zu Köln. Es richtet sich an Kinder und Jugendliche, die aufgrund einer Osteogenesis imperfecta (Glasknochenkrankheit), Spina bifida oder infantilen Zerebralparese Gehstörungen haben. Zentrales Element der Behandlung ist der Steh- und Gehtrainer „Galileo“. Es handelt sich um eine schubladengroße Platte, die Auf- und Abwärtsbewegungen im Millimeterbereich ausführt: eine hochfrequente Wippe, die in wenigen Minuten so viele Muskelaktionen auslöst wie ein 10 000-Meter-Lauf.
Vom Erfolg dieser Therapieform ist Prof. Dr. med. Eckhard Schönau, Leiter des Zentrums für Muskel- und Knochenforschung, überzeugt. Eine Pilotstudie mit acht Kindern habe gezeigt, dass sich mit der Behandlung die Aufrichtung sowie die Steh- und Gehfähigkeit deutlich erhöhe. Außerdem seien die Kinder in ihrem Alltag motorisch selbstständiger geworden. Auch in 13 weiteren Einzelfallbeobachtungen habe sich eine Verbesserung gezeigt. Die Kölner Universitätskinderklinik, die Barmer Ersatzkasse und die medifitreha GmbH haben nun einen Vertrag zur Integrierten Versorgung abgeschlossen. Dr. med. Birgit Hibbeler

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