ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2006Medizinstudium: Lehrerfahrung zahlt sich nicht aus
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Foto: Peter Wirtz
Foto: Peter Wirtz
Herr Kollege Pabst, dessen schon jahrzehntelange Bemühungen um die Verbesserung des Medizinstudiums unbestritten sind, beschreibt zutreffend, dass sich für die akademische Karriere bisher weder eine engagierte Lehre noch die Entwicklung von neuen Lehrformen oder die Publikation von Lehrevaluationen ausgezahlt hat. Im Gegensatz zu seinem Optimismus glaube ich nicht, dass sich hieran bei unserem deutschen System in den nächsten zehn bis 15 Jahren, auch unter Berücksichtigung der neuen Approbationsordnung, irgendetwas ändern wird. Eine neue Approbationsordnung bedeutet nicht eine Änderung der Denkschemata in deutschen Hochschulen. Und hier spielen zumindest im Bereich der klinischen Medizin, aber auch im Bereich der theoretischen Medizin, die Lehrerfahrung und die didaktischen Fähigkeiten nicht die Rolle, die ihnen dringend gebühren würde . . . Erschwerend kommt hinzu das aus meiner Sicht nach wie vor nur allenfalls rudimentär ausgebildete Interesse vieler C4-/C3-Professoren an der Qualität der in ihrer Klinik vermittelten Lehre . . . Es ist aber auch nicht damit getan, ab und zu oder regelmäßig eine Vorlesung zu halten. Essenziell gerade für Klinikleiter ist die eigene regelmäßige Teilnahme am „bedside teaching“, da nur dort einem Klinikleiter der Kontakt und ein entsprechendes Feedback mit den Studenten möglich ist. Nur, welcher Klinikleiter nimmt am bedside teaching teil? Das als Grund für die Nichtteilnahme an dieser Ausbildungsform häufig genannte Argument der starken zeitlichen Belastung darf und kann für einen Hochschullehrer, der für die Vertretung seines Faches in Forschung, Lehre und Klinik berufen wurde, kein Argument sein. Dass bei einer derartigen Einstellung und „Vorbildfunktion“ sich die nachgeordneten Oberärzte und Assistenten häufig in gleicher Art und Weise verhalten, erstaunt nicht . . . Immer wieder habe ich in der Vergangenheit im Rahmen von Berufungsverfahren auch erlebt, dass von den Bewerbern hervorragende neue Modelle für die Umgestaltung und Verbesserung der Lehre an der Universität vorgestellt wurden. Nach der Berufung stellten sich dann diese Modelle meist als potemkinsches Dorf heraus, und der Unterricht wurde in jahrzehntelang „bewährter“ Art und Weise fortgesetzt . . .
Dr. Jürgen Hoffart, Lan­des­ärz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz, Deutschhausplatz 3, 55116 Mainz
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