ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2006Medizinstudium: Die entscheidende Frage

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Medizinstudium: Die entscheidende Frage

Dtsch Arztebl 2006; 103(7): A-400 / B-346 / C-329

Reinhardt, Claus

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LNSLNS Warum hat jeder Grundschullehrer eine bessere pädagogische Ausbildung als (fast) jeder Hochschullehrer? Der Artikel von Professor Pabst gibt darauf die entscheidende Antwort: da die Qualität der Lehre bis jetzt eine nebensächliche Rolle im geforderten Aufgabenspektrum eines Professors spielt. Wie anders ließe sich erklären, dass in der studentischen Ausbildung die „gute alte“ Vorlesung, anders ausgedrückt eine ausschließlich lehrerzentrierte Vermittlungsform, den Löwenanteil ausmacht. Eine Erklärung mag sein, dass diese Lehrform den wenigsten Aufwand erfordert, denn der Lerninhalt wird den Studenten nur vorgetragen, vorgetragen heißt aber nicht gelernt. Dies sollte aber die entscheidende Frage für jeden Lehrenden sein: Was haben meine Studenten heute nachweislich gelernt? Um diese Frage für sich beantworten zu können, sind Vorlesungen notwendig, die die Studenten in das Lerngeschehen einbinden, d. h., die Studenten müssen z. B. nach einem Impulsreferat selbst eine Aufgabe zum Vorlesungsinhalt lösen, den schwierigsten Punkt der Ausführung benennen, die fünf Kernpunkte finden, eine Verknüpfung zum bisher Gelernten herausfinden usw. . . . Die Lehrmethoden zur Gestaltung von interaktiven Vorlesungen sind beschrieben, empirisch erprobt und erlernbar. Einige Fakultäten bieten den Kollegen dafür schon entsprechende Kurse an. Allerdings ist die Frage der guten Lehre grundsätzlicher anzugehen. Denn gute Lehre benötigt Vorbereitungszeit. Es stellt sich die Frage, ob denn tatsächlich der deutsche Medizinprofessor den Dreisprung aus Patientenversorgung, Forschung und Lehre durchführen muss, denn auch sein Zeitkontingent ist endlich, und jede dieser Aufgaben stellt eigentlich einen Beruf an sich dar . . .
Dr. med. Claus Reinhardt, Barthelstraße 36, 50823 Köln
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