ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2006Willensfreiheit: Blick über den Tellerrand

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Willensfreiheit: Blick über den Tellerrand

Dtsch Arztebl 2006; 103(7): A-402 / B-348 / C-331

Laack, Walter van

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LNSLNS Nach Einstein bilden konstruktive Theorien Modelle für beobachtete Phänomene. Ihnen fehlt es jedoch, so Einstein, an grundsätzlichen, vereinigenden und übergeordnet umfassenden Prinzipien. So sind Einsteins Relativitätstheorien beispielsweise prinzipielle Theorien. Das moderne Weltbild der Hirnforschung gehört in die Kategorie der „konstruktiven Theorien“. Gleichwohl behaupten viele Hirnforscher, es seien prinzipielle Theorien. Genau das halte ich für absolut falsch. Wagt man den Blick über die Tellerränder einzelner Fachgebiete, so merkt man eigentlich schnell, wie sehr es dem Weltbild der modernen Hirnforschung am Prinzipiellen mangeln muss: Nicht die Begrenzung unseres Vorstellungsvermögens, alle Erfahrungen unserer Existenz in eine bloß deterministische Vorstellung einzugliedern, wie es Wolf Singer glaubt, ist das tatsächliche Problem, sondern vielmehr die Unfähigkeit, Unlust oder gar ignorante Impertinenz vieler Hirnforscher, das rein Deskriptive ihrer Beobachtungen zu abstrahieren und endlich einmal ohne materialistische Scheuklappen über den eigenen, offensichtlich sehr begrenzten Tellerrand zu blicken, um damit auch ihren Theorien Prinzipielles hinzufügen zu können.
Prof. Dr. med. Walter van Laack, Mühlenstraße 41–47, 52134 Herzogenrath
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