ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2006Zervikale Bandscheibenprothesen: Schlusswort
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Für den wichtigen Hinweis auf die Vielfalt der zurzeit angewendeten Methoden sind wir dankbar. Ein Vorteil endoskopischer Verfahren oder Teilentfernungen von Bandscheiben im Vergleich zu mikrochirurgischen Verfahren mit vollständiger Entfernung von Bandscheiben ist jedoch zurzeit nicht erwiesen.
Auch zu der Frage, ob eine schadhafte, endoskopisch teilentfernte Bandscheibe nach Ausbildung von Narbengewebe eine mechanisch günstigere „Kräfteverteilung zur Stoßdämpfung“ aufweist, liegen keine brauchbaren Daten vor.
Die in der Literatur genannte Rate von 11 bis 15 Prozent Recurrenslähmungen muss als pessimistische Einschätzung angesehen werden. Eine über den Entlassungszeitpunkt andauernde Recurrenslähmung war bei den eigenen Fällen mit Bandscheibenprothesen – inzwischen mehr als 100 Patienten – glücklicherweise nicht aufgetreten (1, 2). Auch Implantatlockerungen oder Dislokationen konnten bislang nicht beobachtet werden.
Da die Implantation einer Bandscheibenprothese in der Regel über einen 4 cm langen Hautschnitt mit mikrochirurgischen Techniken durchgeführt wird, erscheint die Bezeichnung dieser Operation als „maximalchirurgisches Verfahren“ irreführend.
Es ist wichtig zu betonen, es fehle der Nachweis, die erhaltene Beweglichkeit des operierten Halswirbelsäulensegmentes schütze vor Osteochondrose der benachbarten Segmente. Dieser Nachweis wird sich voraussichtlich nicht in absehbarer Zeit überzeugend erbringen lassen, weil er mehrere Jahrzehnte umfassen müsste. Es muss unterschieden werden, ob für eine 30-jährige Patientin mit zervikalem Bandscheibenvorfall und anschließender Implantation einer Prothese eine geringere Wahrscheinlichkeit bestehen wird, im Alter von 60 Jahren in den Nachbarsegmenten eine klinisch relevante Osteochondrose oder einen weiteren Bandscheibenvorfall zu erleiden, als eine gleichaltrige Patientin, bei der eine Fusionierung vorgenommen wurde.
Eine solche Kontinuität klinischer Studien ist nicht leicht zu erreichen. Es erscheint dagegen bereits bei der jetzt verfügbaren Datenlage wahrscheinlich, dass die Bandscheibenprothesen der Halswirbelsäule kein erhöhtes Risiko für den Patienten bedeuten und die Beweglichkeit in der Regel erhalten wird.
Literatur
1. Firsching R, Jöllenbeck B, Hahne R: Bandscheibenprothesen für die Halswirbelsäule. Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 2005; 16: 48–51.
2. Jöllenbeck B, Hahne R, Schubert A, Firsching R: Early Experience with cervical disc protheses. Zentralbl Neurochir 2004; 65: 123–7.

Prof. Dr. med. Raimund Firsching
Klinik für Neurochirurgie
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige