ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2006Norovirusinfektion – häufigste Ursache akuter Gastroenteritiden in den Wintermonaten: Wasser als Übertragungsmedium
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LNSLNS Die jahrelangen Untersuchungen des Aachener Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann (1), publiziert unter anderem in der Fachzeitschrift umwelt-medizin-gesellschaft 18 (1): 49–60, beweisen die hohe Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von verschiedenen humanpathogenen Viren einschließlich Noroviren via Kommunalabwasser je nach der epidemiologischen Situation des Einzugsgebietes. So verlaufen nach den Daten des RKI unter anderem Norovirus-Infektionen streng temperaturabhängig. Die Übertragung muss deshalb durch ein abiotisches Vehikel erfolgen, das seine Temperatur verändert. Trinkwasser ist ein solches Vehikel.
Da die bisher verwendeten Wasseraufbereitungsverfahren nicht in der Lage sind, die Viren ausreichend zu entfernen oder zu inaktivieren, können sie auch im Trinkwasser auftreten, wie in Stichproben aus Oberflächengewässern wie auch aus Endleitungen bereits wiederholt bewiesen werden konnte. Wegen dieser potenziellen Gefährdung beschäftigt sich das Umweltbundesamt seit vielen Jahren und bis zum heutigen Tag frustran mit der Frage, wie wirksam Viren durch konventionelle und neuartige Verfahren der Abwasserklärung und der Trinkwasseraufbereitung entfernbar sind.
Letztlich muss die geographische Verteilung der akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) im Jahr 2003 und 2004 und der nachgewiesenen Influenzainzidenzen der Jahre 2001 bis 2004 den Verdacht nähren, dass sogar die Influenza entgegen der Lehrmeinung nicht nur der primären biotischen Tröpfcheninfektion, sondern in von der Kälte abhängigen abiotischen Vehikeln, sprich dem Trinkwasser, erfolgt. Während der jährlichen Influenzasaison ist bei vielen zentralen Wasserversorgungsanlagen eine perfekte Kühlkette von der Wasserentnahme bis zum Hausanschluss mit etwa 4 Grad Celsius gegeben. Wasser, pH-Werte > 7 und Temperaturen von 4 Grad Celsius konservieren Influenzaviren. Die dargelegten Hinweise und Indizien zeigen, dass Trinkwasser dasjenige unbelebte Vehikel sein könnte, mit dem konservierte aktive Viren von den Reservoiren zum Menschen gelangen. Eine epidemiologische Bewertung dieser Hinweise ist bisher aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht erfolgt.

Dr. med. Alexander Mauckner
Kapuzinergraben 18–22
52602 Aachen

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