ArchivDeutsches Ärzteblatt6/1997Thrombopoetin bei Zytostatika-Therapie

POLITIK: Medizinreport

Thrombopoetin bei Zytostatika-Therapie

Riem, Ludger

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LNSLNS Nach den Ergebnissen von Phase-1-Studien ist die Therapie mit dem Wachstumsfaktor Thrombopoetin sowohl bei gesunden Probanden als auch bei Patienten unter Zytostatikatherapie gut verträglich. Wie Prof. C. G. Begley (Victoria/Australien) auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie in Düsseldorf berichtete, erhielten zunächst gesunde Kontrollprobanden Plazebo oder Thrombopoetin in unterschiedlichen Dosierungen über einen Zeitraum von maximal zehn Tagen.
Bei interindividuell deutlich variierenden Effekten auf die Zahl der Blutplättchen kommt es nach 14 bis 21 Tagen zu einem Peak. Insgesamt korreliert die Thrombozytenzahl mit der Dosis des Wachstumsfaktors, der auch als "Megakaryocyte Growth and Development Factor" bezeichnet wird. Untersuchungen zur Überlebenszeit, zur Funktion und zur Struktur der unter Gabe von Thrombopoetin gebildeten Blutplättchen ließen bislang keine Unterschiede gegenüber den unter Plazebogabe gebildeten Blutplättchen erkennen. Acht Tage nach Behandlungsbeginn läßt sich unter dem Einsatz von Thrombopoetin im Knochenmark vergleichsweise rasch eine Zunahme der Megakaryozyten beobachten. Entsprechende Effekte konnten hier auch schon unter niedrigen Dosierungen beobachtet werden, welche jedoch keinen Einfluß auf die Thrombozytenzahl im peripheren Blut hatten. Sowohl von den gesunden Kontrollprobanden als auch von jenen Patienten, die Thrombopoetin in Kombination mit G-CSF im Zusammenhang mit einer mit Carboplatin und Cyclophosphamid durchgeführten Chemotherapie erhielten, wurde das Wachstumshormon gut toleriert.
Die Beobachtung, daß es bei den nach einem ersten Therapiezyklus mit Thrombopoetin behandelten Krebspatienten nach einem zweiten Zytostatika-Zyklus auch ohne erneute Gabe zu einer rascheren Mobilisierung der Blutplättchen und ihrer entsprechenden Vorläuferzellen kommt, ist laut Begley ein Hinweis auf den möglichen Nutzen einer Vorbehandlung noch vor der ersten Zytostatikagabe. Dr. med. Ludger Riem

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