ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2006zur AHBR-Sanierung: Knüppel aus dem Sack

VARIA: Schlusspunkt

zur AHBR-Sanierung: Knüppel aus dem Sack

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wir werden uns mit großer Vehemenz für die Rechte der vielen Tausend Genussscheininhaber einsetzen“, kündigten die beiden Rechtsanwaltskanzleien Nieding & Barth sowie Tilp am 8. Februar in Frankfurt die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft „AHBR“ an.
Die auf Anlegerrecht spezialisierten Juristen sind anscheinend der Meinung, dass es schon bei der Übernahme der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) nicht ganz koscher zugegangen ist, aber erst recht sei die Absicht, die stillen Gesellschafter und die Genussscheininhaber über einen Kapitalschnitt empfindlich zur Kasse zu bitten, ein ziemliches Unding. Es könne nicht sein, dass der neue Eigentümer Lone Star jetzt für das zurückliegende Geschäftsjahr bei AHBR einen Milliardenverlust (mit der Folge eines Kapitalschnitts) ankündige, obwohl AHBR noch für das dritte Quartal 2005 einen Gewinn ausgewiesen habe.
Nun ist ja bei der Bildung von Anlegergemeinschaften zur Aufholung von herben Verlusten oftmals Vorsicht geboten, weil nicht selten gutes Geld dem schlechten hinterhergeworfen wird und die Erfolgsaussichten einer Klage eh als gering einzuschätzen sind, abgesehen vom wahren Motiv anwaltlicher Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.
Im konkreten Fall AHBR scheint mir aber doch einige Substanz hinter dem Vorgehen der beiden Kanzleien zu stecken. Auch die Börse riecht offenbar, dass ein juristisches Vorgehen gegen den Kapitalschnitt oder aber auch die Erhebung von Schadensersatzansprüchen etwa gegen die Wirtschaftsprüfer Deloitte & Touche wegen der Verletzung von Berichtspflichten nachhaltig erfolgreich sein könnte. Nach Bekanntgabe des Widerstands sprang der Genussscheinkurs von rund 30 auf 45.
Die Scheine (WKN 800286 und 800287) jetzt sogar noch zu kaufen mag nur für wirklich mutige Anleger infrage kommen, aber wer sie hat, sollte in aller Ruhe die Entwicklung der kommenden Monate abwarten.


Gefüllte Töpfe
Geschädigte Anleger sind bei einigen anderen Titeln durchaus schon in einer besseren Position. Bei Ahold, Time Warner sowie Qwest Communications winkt Bares aus bereitgestellten gerichtlichen Vergleichstöpfen. Voraussetzung für die Teilerstattung der erlittenen Verluste ist zum einen, dass die Titel in einer bestimmten Zeitspanne gekauft wurden, und zum anderen, dass die Ansprüche vor Fristablauf angemeldet werden. Details sind bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. in Düsseldorf zu erfragen. Bei Time Warner ist indes Eile geboten; hier läuft die Frist am 21. Februar 2006 aus.

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