ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2006Endokarditis: Netzwerk etabliert

MEDIZINREPORT

Endokarditis: Netzwerk etabliert

Dtsch Arztebl 2006; 103(8): A-458

Nickolaus, Barbara

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LNSLNS Kohortenstudie soll Analyse der Versorgungssituation in Deutschland ermöglichen.
Die infektiöse Endokarditis ist auch heute noch eine lebensbedrohliche Erkrankung. Die Letalität liegt bei 18 Prozent. Mit 30 Fällen auf eine Million Einwohner tritt sie zwar selten auf, wird aber häufig erst spät diagnostiziert, da ihre Symptome – wie Fieber, Tachykardie, Schwitzen, Herzgeräusche, Abgeschlagenheit, Bauch- und Rückenschmerzen – sehr unspezifisch sind. Im Mittel vergehen 29 Tage, bis die richtige Diagnose gestellt wird.
Zu multizentrischen Studien dieser zumeist bakteriell verursachten Infektion (Pilze sind nur vereinzelt Auslöser) haben sich auf Betreiben der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie die großen deutschen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und die Arbeitsgemeinschaft Leitender Kardiologischer Krankenhausärzte (ALKK) zur Gründung eines Zentralen Deutschsprachigen Endokarditis-Netzwerks (ZEN) zusammengeschlossen.
Zentren ohne Sponsoren
nicht finanzierbar
Inzwischen nehmen 25 Zentren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Mehr als 100 Patienten konnten in die prospektive, multizentrische Kohortenstudie des ZEN aufgenommen werden. Wie der Kardiologe Dr. med. Christoph Naber (Zentrum für Innere Medizin der Universität Duisburg-Essen) als „Koordinator Klinik“ erklärte, wird das ZEN in Form eines Registers arbeiten und dabei klinische, mikrobiologische und molekularbiologische Daten zusammenführen.
Wesentlich sei vor allem die Analyse und Darstellung der derzeitigen Versorgungssituation von Endokarditisfällen in Deutschland, Fragen der Diagnostik und Therapie sowie die Diskussion von prognostischen Faktoren. Alle Zentren können dabei auf den zentralen Datenpool zurückgreifen. Sponsoren der Arbeiten sind St. Jude Medical und Bayer Health Care, „ohne die derartige Aktivitäten finanziell nicht realisierbar wären“, so Naber. Beide Unternehmen nähmen aber keinen Einfluss auf Personalentscheidungen, Protokoll oder Datenerhebung.
Ferner will das ZEN den Weg zur engen Kooperation mit der International Collaboration of Endocarditis (Studienzentrale: Duke Clinical Research Institute, Durham/USA) ebnen, die bisher ohne deutsche Beteiligung ist und über Daten von 3 000 Patienten aus 40 Zentren in 15 Ländern verfügt. In dieser geplanten gemeinschaftlichen Studienarbeit im Rahmen eines Kompetenznetzwerkes erhoffe man sich ein wesentlich verbessertes klinisches Management der infektiösen Endokarditis.
Noch immer wird die Endokarditis im Durchschnitt erst nach circa 30 Tagen diagnostiziert; der stationäre Aufenthalt liegt bei rund 40 Tagen. Die Behandlung besteht primär in Antibiotikagabe, deren Dauer individuell angepasst werden muss und die bei der rheumatischen Endokarditis auch mit Acetylsalicylsäure und Cortison kombiniert wird. Bei schweren akuten Verlaufsformen und bei chronischen irreparablen Folgeschäden besteht oftmals keine Alternative zum Ersatz der entzündeten oder deformierten Herzklappe durch eine Prothese. Fast 30 Prozent der Patienten bedürfen eines kardiochirurgischen Eingriffs, überwiegend an der Aorten- oder Mitralklappe.
Die Trikuspidalklappe ist seltener und zumeist bei i. v. Drogenabhängigen betroffen. Manchmal kann der Chirurg die defekte Klappe durch Straffung oder Dehnung reparieren, sodass die Implantation einer künstlichen Prothese vermieden wird. In letzter Zeit steigt mit der vermehrten intrakardialen Implantation von Fremdmaterialien wie beispielsweise Schrittmachern oder künstlichen Herzklappen auch die Infektionsrate in diesem Bereich. Der Befall der Herzkammern oder Gefäße ist sehr selten. Dr. phil. Barbara Nickolaus
Jahrespressekonferenz der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V., Berlin

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