ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2006Nobelpreis: Über „Walter Krienitz“

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Nobelpreis: Über „Walter Krienitz“

Dtsch Arztebl 2006; 103(8): A-468 / B-402 / C-384

Rickes, Steffen

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Dr.Walter Krienitz mit seiner Ehefrau im Jahr 1906 Foto: Mit freundlicher Genehmigung der Geschwister Häfner
Dr.Walter Krienitz mit seiner Ehefrau im Jahr 1906 Foto: Mit freundlicher Genehmigung der Geschwister Häfner
Im Dezember 2005 wurden die beiden australischen Forscher Marshall und Warren für die Entdeckung von Helicobacter pylori mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Sie machten mit einem einfachen Lichtmikroskop eine bahnbrechende Entdeckung, mit der das Dogma des sterilen Magens abgelöst wurde. Wie mühsam der Weg der Entdeckung von Helicobacter pylori war, verdeutlicht die Tatsache, dass bereits lange vor der Beschreibung von Marshall und Warren auf die Existenz von Bakterien im Magen hingewiesen wurde. Eine der Erstbeschreibungen von Magenbakterien geht auf den Halberstädter Arzt Dr. Walter Krienitz zurück. Er veröffentlichte 1906 in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift eine Arbeit, in der er über spiralförmige Bakterien im Mageninhalt eines Patienten mit Magenkarzinom berichtete . . .
W. Krienitz wurde 1876 in Halberstadt geboren und verbrachte dort eine glückliche Kindheit . . . Er besuchte in seiner Geburtsstadt das Domgymnasium bis zum Abitur. Von 1896 bis 1902 studierte er Medizin an den Universitäten Würzburg, Berlin und Halle/ Saale, wo er u. a. von Professor Röntgen unterrichtet wurde. 1903 promovierte er in Halle/Saale über „Einen Fall von Adenom der Lunge“ . . . 1906 veröffentlichte er seine oben erwähnte Arbeit mit dem Titel „Über das Auftreten von Spirochäten verschiedener Form im Mageninhalt bei Carcinoma ventriculi“ . . . Von 1906 bis 1928 war Krienitz – der als einer ersten Ärzte Deutschlands die Facharztwürde für Innere Medizin erhielt – in einer Privatklinik für Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten in Halberstadt tätig . . . Krienitz war ein fröhlicher und lebenslustiger Mensch. Er hatte eine Vorliebe für Wein, sammelte Briefmarken und wanderte gerne. Mitte der 20er-Jahre erkrankte er an einer schweren Enzephalitis, vermutlich infolge der so genannten Spanischen Grippe (Encephalitis lethargica). Aufgrund einer zunehmenden rechtsseitigen Körperlähmung musste er seine ärztliche Tätigkeit 1928 beenden. Dr. Walter Krienitz starb 1943. Er wurde zusammen mit seiner Ehefrau, die nur zwei Tage später verschied, im Familiengrab auf dem Fried-
hof Halberstadt beigesetzt.

Literatur bei dem Verfasser
Priv.-Doz. Dr. med. habil. Steffen Rickes, Goethestraße 49,
39108 Magdeburg
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