ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2006Richtlinie: Aufgeblähte Allgemeinplätze
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LNSLNS . . . Selbst unserer immerwährend lächelnden – lacht sie uns eigentlich an, oder lacht sie uns aus? – gesundheitslenkenden Holdseligkeit scheinen Zweifel gekommen zu sein, ob unter den derzeitigen Bedingungen eine vernünftige Praxisführung noch möglich ist, und so hat sie uns nach tiefsinnigem Grübeln und unter tatkräftiger Mithilfe ihrer politbürokratischen Strategen eine allerliebste Kreation beschert, genannt Qualitätsmanagement. Genau darauf haben wir noch gewartet! Es scheinen bei der Holdseligen und ihren Strategen allerdings Unsicherheiten über die versprochene Überlegenheit ihrer Schöpfung im Praxisalltag und angesichts der verhaltenen Begeisterung — zumindest des noch halbwegs kritischen Teiles – der Ärzteschaft zu bestehen, denn die Teilnahme daran wurde flugs zum Gesetz erhoben. Nun wird allein durch Gesetzeskraft kein Sinn aus Unsinn, und wenn die Freiwilligkeit auf der Strecke bleibt, hat die Sache allemal einen Haken. Einige scheinen dies dennoch nicht zu durchschauen, denn es gibt tatsächlich in unseren eigenen Reihen Apologeten, die diesen Katalog aus aufgeblähten Allgemeinplätzen und Selbstverständlichkeiten allen Ernstes für vernünftig halten. Ich weiß nicht, wie diese Kollegen ihre Praxis bisher geführt haben, und ich weiß auch nicht, welchem Erfahrungsschatzkästlein die folgenden Kostbarkeiten dieses Kataloges entsprungen sind:
– Das Praxisteam lernt, selbst zu prüfen, ob die Abläufe so stattfinden, wie geplant.
– Die Helferinnen können sich noch selbstständiger als bislang um die Organisation der Praxis kümmern.
– Somit bleibt für den Praxisinhaber noch mehr Zeit für originär ärztliche Aufgaben.
Wer hätte das gedacht? Über solchen Schwulst, für den man auch noch kräftig zur Kasse gebeten wird, ist man schon einigermaßen verblüfft und wird als Ostdeutscher an Zeiten erinnert, da eine stets Recht habende Partei mit ebenso unfehlbaren wie realitätsfernen Anordnungen unser Handeln zu bestimmen versuchte. Damals nannte sich das „sozialistischer Wettbewerb“. Der war auch nicht freiwillig, aber wenigstens kostenneutral . . .
Jeder, der von der Richtigkeit und Notwendigkeit eines Qualitätsmanagements überzeugt ist, sollte dies in seiner Praxis einführen dürfen. Sollte sich eine Überlegenheit gegenüber der herkömmlichen Praxisführung herausstellen – der Beweis dafür steht ja bisher aus –, dann wird sich dieser Vorteil sehr schnell herumsprechen, niemand wird darauf verzichten wollen, alle werden begeistert sein, und es wird keiner legislativen Drohung bedürfen . . .
Dr. med. Michael Schäfer,
Karlsbader Straße 7,
08340 Schwarzenberg
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