ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2006Geschichte: Ergänzungen
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LNSLNS . . . Die erste Welle der Influenza-Pandemie wies im Vergleich zur zweiten Welle eine geringe Mortalität auf, jedoch nicht im Vergleich zu vorhergehenden Grippe-Epidemien. Die zweite Welle folgte, international gesehen, nicht Ende August 1918, sondern Ende Juli/Anfang August – darauf hat der Geograph und Historiker Jürgen Müller aus Hannover hingewiesen. In meiner Dissertation habe ich herausgearbeitet, dass die Influenza 1918 mitnichten mit grippalen Infekten begann und sich dann Komplikationen hinzugesellten. Die semantisch problematische Unterscheidung von „grippalem Infekt“ und „Grippe“ ist heute gleichwohl bekanntlich per definitionem unzweideutig. Die meisten Erkrankten starben innerhalb kürzester Zeit an der so genannten Influenza vera. Die Krankheit befiel die Betroffenen meist fulminant. Hultin und Taubenberger beziehen sich in ihren Nachforschungen im Übrigen genau auf solche Opfer der Grippe. Einige Beispiele (Koeppen, Ludendorff), die Jütte zur Illustration verwendet, legen den Verdacht nahe, bei der Grippe-Pandemie habe es sich um eine Kriegsseuche gehandelt. Der Freiburger Medizinhistoriker Prof. Dr. med. Karl-Heinz Leven hat schon 1996 festgestellt, dass es sich bei Kriegsseuchen um diejenigen Epidemien handelt, „die begünstigt durch Kriege auftreten“. Man kann heute mit einiger
Sicherheit davon ausgehen, dass es sich bei der Pandemie 1918–1920 eben nicht um eine Kriegsseuche gehandelt hat.
Dr. med. Wilfried Witte, M. A., Osnabrücker Straße 30, 10589 Berlin
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