ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2006Reisen im Licht der Sterne. Eine Vermutung

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Reisen im Licht der Sterne. Eine Vermutung

Dtsch Arztebl 2006; 103(8): A-472

Capus, Alex

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Erzählung: Spannender als ein Krimi
Alex Capus: Reisen im Licht der Sterne. Eine Vermutung. Albrecht Knaus Verlag, München, 2005, 240 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag, 18 A
In seiner „Vermutung“ hat der Schweizer Autor sich jetzt dem schottischen Dichter Robert Louis Stevenson genähert. 1889, sechs Jahre nach Erscheinen der „Schatzinsel“, landet Stevenson mit seiner zehn Jahre älteren Frau Fanny und dem Stiefsohn Lloyd Osbourne auf der Pazifikinsel Samoa. Eineinhalb Jahre hat er die Südsee bereist, um Reisereportagen für amerikanische Zeitschriften zu schreiben, ein für alle Beteiligten unbefriedigendes Unternehmen: Die Leser sind verstimmt, dass der Autor der „Schatzinsel“ sie mit derart langatmigen Abhandlungen behelligt, die Verleger sind enttäuscht über den ausbleibenden Erfolg. Stevenson selbst findet an dem Genre auch kein Vergnügen und sehnt sich zurück nach Edinburgh. Nichts deutet darauf hin, dass er sich auf Samoa niederlassen wird. Doch keine sechs Wochen später investiert er sein gesamtes Vermögen und kauft im Dschungel ein Stück Land, um dort den Rest seines Lebens zu verbringen. Woher dieser plötzliche Gesinnungswandel? Am Klima kann es Capus zufolge nicht gelegen haben. Denn auf Samoa herrschen lähmende Hitze, sintflutartige Regenfälle und hohe Luftfeuchtigkeit – entgegen Stevensons offiziellen Angaben keinesfalls ein Ort, an dem der tuberkulosekranke Dichter sich wohlfühlen konnte. Was also war der wirkliche Grund? Ganz einfach: Stevenson hat auf der Nachbarinsel Tafahi einen Schatz entdeckt, der ihm und den Seinen fortan ein äußerst angenehmes Leben ermöglichte.
Was Capus nun an Beweisen für seine Vermutung ausbreitet, liest sich spannender als mancher Krimi: Seit 1821 ist der Kirchenschatz von
Lima verschollen. Gerüchten zufolge befindet er sich auf Cocos Island im Pazifischen Ozean, 500 Kilometer vor der Küste Costa Ricas. Am hartnäckigsten ist ein Deutscher: August Gissler verbringt ganze 17 Jahre auf dem Eiland. Er gräbt die halbe Insel um und guckt unter jede Kokospalme, aber den Schatz findet er nicht. Andere Glücksritter geben viel schneller auf. Wo sind die knietief mit Diamanten gefüllten Kisten also geblieben? Den Quellen zufolge hat die Besatzung der Mary Dear den Kirchenschatz damals mit großer Sicherheit irgendwo vergraben, laut Capus nur eben nicht auf Cocos Island. Und die Beweislage wird mit jedem Satz erdrückender . . .
Ein Buch nicht nur für Schatzsucher und Piraten: spannend, vergnüglich und auf unterhaltsame Weise belehrend. Nicht zuletzt ist „Reisen im Licht der Sterne“ in großen Teilen eine schöne Biografie des Dichters Robert Louis Stevenson. Christof Goddemeier
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