ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2006Varizenbildung bei Leberzirrhose: Betablocker enttäuschen

MEDIZIN: Referiert

Varizenbildung bei Leberzirrhose: Betablocker enttäuschen

Dtsch Arztebl 2006; 103(8): A-491 / B-423 / C-405

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LNSLNS Die Gabe des Betablockers Timolol kann wahrscheinlich nicht die Bildung von gastroösophagealen Varizen verhindern. Dies ist das Ergebnis einer viereinhalb Jahre dauernden Multicenterstudie mit 213 Patienten. Die Autoren der Portal Hypertension Collaborative Group wählten für die Untersuchung Patienten mit einer Leberzirrhose und portaler Hypertension aus, die noch keine gastroösophagealen Varizen entwickelt hatten und deren hepatovenöser Druckgradient (HVPG) mindestens 6 mm Hg betrug. Bei einem Viertel der Probanden war die Zirrhose auf einen Alkoholabusus, bei den anderen meist auf eine Hepatitis viraler Genese zurückzuführen. Nach der Randomisierung erhielten die Studienteilnehmer entweder ein Placebo oder Timolol. In beiden Behandlungsarmen wurde die Substanz individuell schrittweise höher dosiert. Hierdurch verminderte sich die Herzfrequenz im Durchschnitt um 17 Prozent auf 62 Schläge pro Minute in der Verumgruppe.
Nach einem Jahr bestimmten die Forscher erneut den HVPG. In der Verumgruppe sank er um 1,45 mm Hg, in der Kontrollgruppe erhöhte er sich geringfügig um 0,5 mm Hg. Die Autoren stellen fest, dass das Erreichen der primären Endpunkte Varizenbildung und blutende Varizen mit dem HVPG korrelierte: Bei einer Reduktion des hepatovenösen Druckgradient um zehn, 15 oder mehr als 20 Prozent traten die primären Endpunkte signifikant seltener auf. Diesen Effekt stellten die Autoren häufiger in der Verumgruppe fest (53, 43 beziehungsweise 33 Prozent) als in der Kontrollgruppe (38, 24 und 19 Prozent). Hieraus folgern die Wissenschaftler, dass Timolol den HVPG vermindern kann. Allerdings ist dieser Effekt nicht so ausgeprägt, um einen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo zu erzielen.
Darüber hinaus litten nach Gabe des Betablockers 18 Prozent an schweren Nebenwirkungen wie Bradykardie oder starker Müdigkeit im Vergleich zu sechs Prozent in der Kontrollgruppe.
Die meisten Patienten tolerierten nur geringe Nebenwirkungen, sodass die Probanden der Verumgruppe im Median täglich lediglich 10,8 mg Timolol einnahmen. Eine höhere Dosierung hätte möglicherweise zu einem besseren Studienergebnis geführt, vermuten die Autoren. Um die Bildung gastroösophagealer Varizen zu vermeiden, sollte bei einer pharmakologischen Intervention der HVPG um mindestens zehn Prozent vermindert werden. Die Autoren raten von der Behandlung der untersuchten Patientengruppe mit nicht selektiven Betablockern ab. me

Grozmann RJ, Gracia-Tsao G, Bosch J et al.: Beta-blockers to prevent gastroesophageal varices in patients with cirrhosis. N Engl J Med 2005; 353: 2254–61.

Roberto Grozmann, Yale University School of Medicine, VACT Healthcare System, Digestive Disease Section/111H 950 Campbell Avenue West Haven, CT 06516, USA.

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