ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2006Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft – „UAW-News – International“: Psychiatrische Störungen unter Metamizol

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft – „UAW-News – International“: Psychiatrische Störungen unter Metamizol

Dtsch Arztebl 2006; 103(8): A-499 / B-431 / C-411

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LNSLNS Zu den Aufgaben der AkdÄ gehören die Erfassung, Dokumentation und Bewertung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW). Die AkdÄ möchte Sie regelmäßig über aktuelle Themen aus der Arbeit ihres UAW-Ausschusses informieren und hofft, Ihnen damit wertvolle Hinweise für den Praxisalltag geben zu können.
Metamizol, ein seit langem eingeführtes Analgetikum und Antipyretikum, ist zugelassen zur Behandlung akuter starker Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen, von Koliken, Tumorschmerzen, sonstigen akuten oder chronischen starken Schmerzen, falls andere therapeutische Maßnahmen kontraindiziert sind, sowie von hohem Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht (1). Metamizol wurde 2004 mit 54,7 Mio. DDD verordnet, wobei sich der ansteigende Verordnungstrend (78,5 Prozent!) der Vorjahre weiter fortsetzte, was angesichts der vielfachen Empfehlungen zu restriktiver Verordnungsweise erstaunt (2).
Der AkdÄ liegt eine Meldung über einen 46-jährigen Patienten vor, der eine Rippenprellung erlitt und einmalig 500 mg Metamizol als Tablette erhielt. Daraufhin fühlte sich der Patient depressiv, konnte sich nicht mehr konzentrieren, hatte keine Lust zu sprechen und war stark sediert. Die Symptomatik war nach sechs Stunden spontan rückläufig. Bei einer Reexposition zeigte sich der gleiche Effekt (AkdÄ-Nr. 127.997).
Im deutschen Spontanmeldesystem (gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ, Stand: 24. 11. 2005) sind 1 478 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen im Zusammenhang mit der Anwendung von Metamizol inkl. seiner Kombinationen erfasst. Das Gros der Meldungen betrifft Veränderungen der Haut und Hautanhangsgebilde (48,7 Prozent), darunter 96 Fälle eines Stevens-Johnson-Syndroms sowie 115 Fälle einer toxischen epidermalen Nekrolyse und Veränderungen des Blutbildes (54,6 Prozent) sowie generalisierte Störungen (24,3 Prozent). Immerhin 7,9 Prozent [117 Fälle] beziehen sich auf psychiatrische Störungen. Hierbei werden am häufigsten Verwirrung [12] und Somnolenz [17] genannt. Es finden sich aber auch Einzelfälle von verschiedenen anderen psychiatrischen Störungen wie zum Beispiel Angst [8], Agitiertheit [4], Delir [3], Depressionen, Halluzinationen [je 2] darunter.
Offenbar handelt es sich bei psychiatrischen Störungen um sehr seltene und nicht bzw. wenig bekannte UAW von Metamizol, die in den Fachinformationen (1) und in der Standardliteratur (vgl. 3) bislang nicht aufgeführt sind, während neurologische Störungen inkl. Müdigkeit genannt werden. Gerade deshalb erscheint es wichtig, auf diese UAW hinzuweisen. Es sei in diesem Kontext auch noch einmal betont, dass die Indikation für eine Behandlung mit Metamizol insgesamt streng zu stellen ist.
Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen von der AkdÄ-Internetpräsenz www.akdae.de abrufen.

Literatur
1. Fachinformation Novaminsulfon-ratiopharm®, März 2004. Fachinformation Novalgin®, August 2004.
2. Schwabe U, Paffrath D (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2005. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 2006.
3. Müller-Oerlinghausen B, Lasek R, Düppenbecker H, Munter K-H (Hrsg.): Handbuch der unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Urban & Fischer Verlag München, Jena 1999.
Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin, Postfach 12 08 64, 10598 Berlin, Telefon: 0 30/40 04 56-5 00, Fax: 0 30/40 04 56-5 55, E-Mail: info@akdae. de, Internet: www.akdae.de
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