ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2006rund ums Geld: Die Party ist vorbei

VARIA: Schlusspunkt

rund ums Geld: Die Party ist vorbei

Dtsch Arztebl 2006; 103(8): [84]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Bei etlichen Anlegern sitzt der Frust tief, ganz tief sogar. Da hat der deutsche Aktienindex DAX im letzten Halbjahr mächtig zugelegt und ist auch ganz prächtig in den Januar gestartet. Einziger Schönheitsfehler: Das Geld haben offenbar die anderen verdient, irgendwie ist die Hausse mangels Beteiligung schön an einem vorbeigegangen. Wohl daher sind in den letzten Wochen viele auf den fahrenden Zug aufgesprungen, um bloß nicht noch mehr zu verpassen, was die Kurse naturgemäß weiter nach oben gezogen hat. „Die Hausse nährt die Hausse“, beschreiben Börsianer eine solche Situation trefflich.
Kein Wunder, dass gerade jetzt mit Blickrichtung DAX 6 000 Punkte so mancher Anlageberater zum Einstieg rät, der gute Mann hat schließlich auch keine Lust, sich vom Kunden mit hochgezogenen Augenbrauen vorhalten zu lassen, versagt zu haben. Der so Beratene ist auch allzu gerne bereit, die Mär von weiter steigenden Kursen zu glauben, denn Gier gehört, neben der Vertrauensseligkeit, halt einfach zu menschlichen Eigenschaften, und jetzt muss mit Gewalt Gerechtigkeit her, die heute gekaufte Aktie wird schon Mitleid mit einem haben und gut laufen.
Es gibt viele Gründe, an dieser Stelle „Halt“ zu rufen. Wenn mich die Zeichen nicht trügen, gibt es durchaus ernsthafte Argumente für die Annahme, die Party neige sich langsam dem Ende entgegen. Was mich vor allem stutzig macht, ist die penetrant inverse Zinsstruktur in den USA. Damit ist gemeint, dass für kurzfristige Geldanlagen am Kapitalmarkt höhere Zinsen „bezahlt“ werden als für langfristige. Normal ist das freilich nicht, das lernt jeder Volkswirtschaftsstudent im ersten Semester; ob er es allerdings behält, ist eine andere Frage. Aber auch der gesunde Menschenverstand hilft hier weiter. Inverse Zinsstrukturen gibt es in der Regel immer dann, wenn nicht genügend Kredite für (langfristig finanzierte) Investitionen nachgefragt werden, wohl ein klares Zeichen, dass die Unternehmen eine konjunkturelle Abschwächung erwarten. In der Tat sind in der Vergangenheit Baissen von inversen Zinsszenarien eingeleitet worden, warum sollte das jetzt anders sein?
Andere Störfeuer gibt es darüber hinaus in Hülle und Fülle. Steigende Ölpreise, anziehende Inflationsraten, der Atomstreit mit dem Iran und seine unabsehbaren Folgen auf der einen Seite lassen durchaus passable Unternehmensgewinne auf der anderen Seite verblassen. Haussen sterben halt in der Euphorie. Wie immer.


Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats können Sie auch am 4. März 2006 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen, Telefon 02 21/98 54 80-17. Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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