ArchivDeutsches Ärzteblatt6/1997Bluttransfusionen in der Chirurgie

MEDIZIN: Referiert

Bluttransfusionen in der Chirurgie

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LNSLNS Ziel einer Blutübertragung ist es, die Risiken der Anämie zu reduzieren. Die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten ist eine kostenintensive medizinische Maßnahme. In den USA werden jährlich für 11 Millionen Blutkonserven eine bis zwei Milliarden Dollar ausgegeben. Viele Patienten erhalten vor einer geplanten Operation eine Bluttransfusion, obwohl die Indikation nicht eindeutig gesichert ist. Es bestehen mehrere Empfehlungen zur Bluttransfusion in der Chirurgie, welche jedoch nicht von allen Autoren akzeptiert werden. Bislang ist keine randomisierte klinische Studie über Blutransfusionen in der Chirurgie durchgeführt worden. Daten über den eindeutigen Zusammenhang zwischen der verminderten Hämoglobinkonzentration und einem erhöhten Mortalitätsrisiko oder einem ernsthaften Morbiditätsrisiko fehlen. Somit bleibt die Indikation zur Blutübertragung in der Chirurgie unklar.
Eine amerikanische Arbeitsgruppe untersuchte diese Fragestellung. Hierzu wurde eine retrospektive Studie mit 1 958 Patienten durchgeführt. Die mindestens 18 Jahre alten Patienten hatten vor einer geplanten Operation die Bluttransfusion aus religiösen Gründen abgelehnt. Es wurden die Mortalität und Morbidität über einen Zeitraum von 30 Tagen nach der Operation ermittelt. Zusätzlich sollte der Einfluß einer kardiovaskulären Erkrankung auf die Mortalität und Morbidität untersucht werden.
Innerhalb von 30 Tagen nach der Operation betrug die durchschnittliche Sterblichkeit 3,2 Prozent. Die Mortalität betrug 1,3 Prozent bei Patienten mit einer präoperativen Hämoglobinkonzentration von mehr als 12 g/dl und 33,3 Prozent bei einer Konzentration von weniger als 6 g/dl. Eine gleichzeitig bestehende kardiovaskuläre Erkrankung erhöhte zusätzlich das Mortalitätsrisiko. Ferner war der Einfluß eines intraoperativen Blutverlustes auf die Sterblichkeit bei Patienten mit geringer präoperativer Hämoglobinkonzentration deutlicher als bei höherer präoperativer Hämoglobinkonzentration. Eine geringe Hämoglobinkonzentration führte auch zum Anstieg der postoperativen Morbidität. Die Autoren folgern, daß bei der Indikationsstellung zur Blutübertragung neben der Hämoglobinkonzentration auch kardiovaskuläre Erkrankungen und ein möglicher operativer Blutverlust beachtet werden müssen. ml


Carson JL et al.: Effect of anaemia and cardiovascular disease on surgical mortality and morbidity. Lancet 1996; 348: 1055-1060
Dr. Carson, Robert Wood Johnson Medical School, Clinical Academic Building, 125 Paterson St, New Brunswick, New York 08903-0019, USA

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