Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
In den heutigen Zeiten sind wir Ärzte vielfältigsten Vorwürfen ausgesetzt. Nur Mammon hätten wir im Sinn, statt selbstlos aufopfernd für alle jederzeit präsent zu sein. Nachdem wir uns erfolgreich gegen diesen Verdacht der Bereicherung (da nur noch Kleinwagen fahrend und in Zweizimmer-wohnungen hausend) und Betruges (weil budgetiert und regressiert) zur Wehr gesetzt haben, bleibt vielen unserer Schutzbefohlenen nur noch das Argument der Zweiklassenmedizin, um auf uns herumzuhacken.
Ein Patient sitzt vor mir, seine Wut durch einen rotgeränderten Exophthalmus plakatierend. „Ich war im Krankenhaus, ich kann Ihnen sagen, eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, eine unbeschreibliche Riesensauerei ist das, die man als Kassenpatient erleiden muss! Dass sich niemand dagegen wehrt, ist unfassbar! Euch Ärzten ist es völlig schnurz, wenn ein Kassenpatient im Bett verfault, während nebenan der Privatpatient alles kriegt!“ Ich versuche einzuwenden, dass die Flut der juristischen Auseinandersetzungen mit den Krankenhäusern im Allgemeinen und den Ärzten im Besonderen dafür sorgt, dass allen Patienten die gleiche Sorgfaltspflicht . . . „Da hat man doch als normaler Mensch keinerlei Chance, von einem Chefarzt richtig behandelt zu werden!“ Ich gebe zu bedenken, dass Chefärzte heutzutage überwiegend mit Bürokratie und Verwaltung beschäftigt sind; die Oberärzte würden daher den Großteil der Untersuchungen und Behandlungen durchführen und arbeiten daher ebenfalls auf einem ausgesprochen hohen Niveau, das natürlich im gleichen Umfang den Kassenpatienten zugute . . . „Ihr wollt euch nur an den Geldern der Privatpatienten bereichern, mir können Sie nichts vormachen, an den Kassenpatienten verdient ihr doch nichts!“ Da läge er nicht ganz falsch, viele Kollegen behandeln ihre Kassenpatienten häufig umsonst, besonders am Ende des Quartals. Das Honorar der Privatpatienten bedeutet quasi eine Querfinanzierung, die es uns noch ermöglicht, laufende Unkosten zu bezahlen und damit die Kassenpatienten noch zu behandeln. Ohne das Privathonorar müssten mehr als ein Drittel der Praxen und Krankenhäuser schließen. „Also, alles was recht ist: Ich bleibe dabei, dass das ganze System eine einzige Abzocke der armen Kassenpatienten ist! Mich kann man nicht täuschen! Bei dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit, die ich erlebt habe, gehe ich an die Zeitung!“ Was ist denn da passiert?
„Die Nachtschwester wollte mir keinen Fruchtsaft geben, weil der nur für die Privaten sei!“
Ach so. Dr. med. Thomas Böhmeke
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema