ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2006Die Gespräche: Ich erwarte mehr Respekt vom Vorstand
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LNSLNS Mit tiefem Befremden habe ich das Gespräch mit Professor Ganten gelesen. Es scheint, als glaube er tatsächlich, bis 2010 die Charité wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen, mit einer Anziehungskraft auf den Ärztenachwuchs wie Yale, Harvard oder Princeton. Man muss sich ernsthaft fragen, ob der Herr Vorstandsvorsitzende überhaupt weiß, was in seinem Hause vorgeht. In meiner eigenen Klinik ist es zum Glück noch anders, aber um uns herum, in den operativen Fächern ebenso wie in den konservativen, findet ein Exodus statt. Die besten Köpfe gehen oder sind auf dem Sprung, zurückbleiben ein paar Idealisten und viele Frischlinge, die als Leuchtturmwärter sicherlich noch nicht taugen. Professor Ganten sagt, er habe Verständnis für die Proteste der Ärzte, könne aber nur das Geld ausgeben, das er habe. Er sollte sich schämen! Es geht nicht nur um mehr Geld, es geht darum, dass viele Assistenzärzte regelmäßige Gäste auf dem Arbeitsamt sind und von der Bank nicht einmal einen Kredit für ein Auto bekommen, weil sie nur für drei Monate einen Vertrag haben. Es geht darum, dass die Mitarbeiter aller Bereiche, Pflege ebenso wie Ärzte, tief demotiviert sind ob der Gleichgültigkeit des Vorstandes. Ich liebe meine Arbeit, ich tue sie gerne, und ich finde nicht, dass es erstrebenswert wäre, nach England oder Norwegen zu gehen, weil ich nicht mit ansehen will, wie hier alles zugrunde geht, weil alle weggehen. Ich bin gerne Arzt. Aber ich erwarte einen gewissen Respekt, nicht nur der politisch Verantwortlichen, sondern auch von meinem Vorstand, dessen vornehmste Ziele es sein sollten, die Interessen der Charité zu vertreten, nicht die der Politik . . .
Sebastian T. Friese, Charité – Universitätsmedizin Berlin (Campus Mitte), Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Schumannstraße 20/21, 10117 Berlin
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