ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2006Die Gespräche: Nur die Ökonomie zählt
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LNSLNS . . . Die Expansion der privaten Klinikkonzerne wurde überhaupt erst möglich, weil ein Großteil der bisherigen Träger es nicht geschafft hat, mit den finanziellen Problemen ihrer Krankenhäuser fertig zu werden. Als Folge davon wieder verabschieden sich die (politischen) Gremien in beispielloser Verantwortungslosigkeit aus ihren Pflichten und verscherbeln ihre Krankenhäuser an den Meistbietenden. Anschließend macht uns dann das Rhönklinikum beispielhaft vor, wie einfach man mit Krankenhäusern Geld verdienen kann. Und das geht so: Kommunale Häuser wenden 70 bis 80 Prozent ihres Umsatzes für Personal auf, die privaten Kliniken nur etwa 50 Prozent. Bei Übernahme erfolgt also rasch eine drastische Reduzierung von Gesamtzahl und Ausbildungsqualifikation des Personals. Danach kann dann ein erklecklicher Teil der zweckgebundenen Mittel der Solidargemeinschaft (nämlich die Krankenkassenbeiträge!) von den privaten Konzernen abgeschöpft werden, um ihre Aktionäre zu befriedigen. Als Dank dafür werden der Allgemeinheit schließlich auch noch die Lasten der entlassenen Mitarbeiter in Form von Arbeitslosengeldern aufgebürdet. An dieser Stelle zu behaupten, dass „durch die Privaten mehr Geld ins Gesundheitswesen gelangt“ ist blanker Zynismus. Wen wundert es dann noch, dass die Frage, ob denn „durch Profitdenken negative Folgen“ zu erwarten wären, mit „nein“ beantwortet wird? Unter Pföhler handelt der Rhönkonzern (zumindest nach eigener Einschätzung) „hoch ethisch“, nachdem sein Vorgänger im Amt allerdings noch meinte, „die Bedingung für Ethik ist, dass man sie sich leisten kann“. Bei der rücksichtslosen Wachstumsideologie der privaten Klinikkonzerne zählt allein das Diktat der Ökonomie. Die Krankenhausmitarbeiter werden zu „Humankapital“, die technisch-apparativen Medizinsparten vor allem werbewirksam eingesetzt (und grotesk überbewertet), und der Patient ist am Ende nur noch ein „Werkstück“. Von ärztlich-pflegerischer Zuwendung zu den Kranken ist (wie auch im Artikel) überhaupt nicht mehr die Rede . . .
Prof. Dr. Eike Uhlich,
Jakob-Curio-Straße 22, 97461 Hofheim
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