ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2006Kinderchirurgie: Pflicht zur Ausbildung
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Fotos:MEV-Verlag [m]
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Ich danke Herrn Muensterer für seinen Beitrag zur kinderchirurgischen Ausbildung in den USA. Der bezeichnende Titel lautete „Exzellente Weiterbildung“! Aus meiner Sicht ist es unnötig, die recht guten Ausbildungsbedingungen anderer Gesundheitssysteme zu beschreiben – die meisten Kollegen wissen dies ohnehin. Wichtiger wäre es, auf die Zustände an deutschen Kliniken hinzuweisen – auch dies wissen leider die meisten Kollegen. Wenn man es auf den Punkt bringt: Eine chirurgische Aus- und Weiterbildung gibt es nur selten. Mit wie vielen Idealen wählen junge Ärzte die Chirurgie? Sie tun dies in der Regel in dem Bewusstsein, überdurchschnittlich Zeit und Engagement zu investieren. Ernüchterung entsteht natürlich wegen der extremen körperlichen Belastung, aber vor allem auch wegen der hierarchischen Strukturen, die je nach Chefarzt auch mal an den Feudalismus erinnern. Chef zu sein heißt, die Verantwortung zu tragen und für alles geradestehen zu müssen. Es heißt aber auch, der Pflicht zur Ausbildung nachzukommen. Wir alle wissen doch, wie die Realität aussieht. Chirurgie kann man nicht aus dem Lehrbuch lernen. Ein guter Chirurg ist deshalb gut, weil er schnell, sauber und komplikationsarm operiert . . . Es ist ein Handwerk. Wir brauchen gut „trainierte“ und motivierte Chirurgen. Unsere Funktionäre sollten sich überlegen, wie diese Situation zu verbessern ist. Alles der Politik und den desolaten Zuständen des Gesundheitssystems anzulasten ist leicht, aber nicht die ganze Wahrheit.
Dr. med. Jens Rudolph, Im Dich 27, 50389 Wesseling
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