ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2006Medizingeschichte(n): Pharmakopöe – Zimtwasser

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Medizingeschichte(n): Pharmakopöe – Zimtwasser

Dtsch Arztebl 2006; 103(9): A-543 / B-466 / C-446

Schott, H.

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LNSLNS Zitat: „Aqua cinnamomi simplex, s. sine vino, Zimmtwasser ohne Wein [1]. Das einfache Zimmtwasser hat im Ganzen dieselben reizenden, stärkenden Heilkräfte [2], aber in noch höherm Grade, als das Kamillenwasser. Man braucht es daher in eben den Fällen und mit denselben Zusätzen, als jenes [Kamillenwasser], nemlich als Magenmittel, gegen heftiges Erbrechen und bei krampfhaften Zufällen [3]. Auch kann man, wenn das zu beseitigende Uebel noch keinen zu hohen Grad erreicht hat, mit dem bloßen einfachen Zimmtwasser schon viel ausrichten. – Vorzüglich leistet es bei Wind- [4] und anderen Koliken und bei entkräfteten Kreissenden zur Beförderung der Wehen und zur Verwandlung der sogenannten falschen Wehen [5] in wahre Wehen oft augenblickliche Hülfe. Im letztern Falle (bei Kreissenden) thut es vorzüglich in Verbindung mit Opiumtinktur vortreffliche Dienste.“

Ernst Horn: Handbuch der Arzneimittellehre für Ärzte und Wundärzte (1803). 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Berlin: Oehmigke dem Jüngeren 1805, Seite 165. – Horn (1774–1848) war von 1800 bis 1804 Professor der Klinik für Militärwundärzte in Braunschweig und wurde nach kurzen Zwischenaufenthalten in Wittenberg und Erlangen 1806 an die medicinisch-chirurgische Militärakademie in Berlin berufen. 1821 wurde er zum ordentlichen Professor der Heilkunde an der Berliner Charité ernannt. Er verfasste zahlreiche medizinische Publikationen und beschäftigte sich insbesondere mit der Psychiatrie als einem damals gerade entstehenden Fachgebiet. – [1] Zimt war ein traditionelles (All)Heilmittel, das vor allem in der frühen Neuzeit hoch im Kurs stand und noch um 1800, wie das Zitat belegt, in Arzneibüchern verzeichnet war. Neben dem hier angeführten Zimtwasser ohne Wein beschrieb Horn auch das „weinigte Zimmtwasser“ (Aqua cinnamomi vinosa), das noch stärkere Wirkung entfalte und „vorzüglich bei solchen Asthenischen zu empfehlen [sei], die an den häufigen Gebrauch spirituöser Getränke gewohnt sind.“ (Seite 167) [2] Im Sinne des Brownianismus aufreizende Mittel gegen „asthenische“ Krankheiten, die durch Schwäche (zu geringe Erregbarkeit) gekennzeichnet waren. [3] Krankheitssymptome. [4] Blähungen. [5] Vorwehen.

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