ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2006Medizingeschichte(n): Laienmedizin – Kampf gegen Scharlatane

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Medizingeschichte(n): Laienmedizin – Kampf gegen Scharlatane

Schott, H.

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LNSLNS Zitat: „Die Mittel solcher Charlatans [1] sind öfters der Gesundheit weniger nachtheilig, als dem Beutel; sie sind zu unschuldig und unwirksam, als daß sie Vortheil oder Schaden stiften könnten. Jedoch können sie Schaden thun, wenn sie von unwissenden ausgegeben werden. [...] Allein den Pöbel der Charlatans, die Quacksalber [2], welche vornehmlich den gemeinen Mann betrügen, aus dem Urin wahrsagen [3] und Gift, anstatt Arzeneyen verkaufen, diese sollte man suchen zum Besten des menschlichen Geschlechts auszurotten. Ein solcher Kerl verdient gewiß mit mehrerm Recht an den Pranger gestellt, ausgepeitscht und ins Zuchthaus gesetzt zu werden, als einer, der aus Mangel und Noth gestohlen hat, dieser hat wenigstens niemand getödtet oder ungesund gemacht, da jener die Einfältigen ihres Geldes und ihrer Gesundheit zugleich beraubt.“

Johann Friedrich Struensee: Kleine Unglücksfälle einiger falschen Aerzte in England: In Monatschrift zum Nutzen und Vergnügen, 1763, Stück 4, Seite 314 ff. Zitiert nach Oliver Stenzel: Medikale Differenzierung. Der Konflikt zwischen akademischer Medizin und Laienheilkunde im 18. Jahrhundert. Heidelberg: Auer 2005, Seite 54. – Der Arzt Graf von Struensee (1737–1772), ab 1758 Stadtphysikus in Altona, vertrat die Ideen der Aufklärung. Er wurde 1769 Leibarzt des kranken 19-jährigen dänischen Königs Christian VII. in Kopenhagen. Dort erreichte er als „Geheimer Cabinetsminister“ größten Einfluss auf den Monarchen und die Königin Caroline Mathilde. Er wurde 1772 gestürzt und hingerichtet. Per Olov Enquist schildert diese letzte Phase seines Lebens in dem bekannten Roman „Der Besuch des Leibarztes“ (Schwedische Originalausgabe 1999). – [1] Französische Form (ab 17. Jahrhundert), die unter anderem vom italienischen „ciarlare“ (schwatzen) abzuleiten ist. [2] Von niederländisch „kwakken“ (prahlen) und „zalver“ (Salbenhändler) abzuleiten; andere etymologische Ableitung: von Schmierkuren mit Quecksilber-Salben, die in der frühen Neuzeit gegen die Syphilis eingesetzt wurden. [3] Freilich war die Uroskopie die wichtigste diagnostische Methode der gelehrten Medizin bis weit in die Neuzeit hinein.

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