ArchivDeutsches Ärzteblatt6/1997N-3-Fettsäuren: Natürliche Antiarrhythmika?

MEDIZIN: Diskussion

N-3-Fettsäuren: Natürliche Antiarrhythmika?

Sellmayer, Alois; Lorenz, Reinhard; Förster, Werner; Weber, Peter Claus

Zu dem Beitrag von Dr. med. Alois Sellmayer, Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Helmut Witzgall, Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Reinhard Lorenz und Prof. Dr. med. Peter Claus Weber in Heft 34-35/1996
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LNSLNS Verkannte Erstautorenschaft
In dem genannten Beitrag werden als "erste grundlegende Beobachtungen über antiarrhythmische Effekte von N-3-Fettsäuren" Ergebnisse von McLennan aus dem Jahre 1988 genannt. Ich darf darauf hinweisen, daß wir über erste antiarrhythmische und antifibrillatorische Wirkungen verschiedener Prostaglandine schon auf der ersten Internationalen Prostaglandinkonferenz 1972 in Wien berichtet haben und ich 1975 auf dem ersten internationalen Prostaglandin-Symposium in Halle unter dem Titel "Prostaglandins and prostaglandinprecursors as endogenous antiarrhythmic principles of the heart" einen Review, ausführlich 1976 publiziert, mit zahlreichen eigenen Ergebnissen mit verschiedenen Prostaglandinen, aber auch mit n-6- und n-3Fettsäuren (Linol-, Arachidon- und Linolensäure im Vergleich mit Ölsäure) veröffentlicht habe. Diese Erstautorschaft ist international anerkannt, unter anderem in dem Review-Artikel von Parratt 1993 in Cardiovascular Research, den die Autoren auch nicht zu kennen scheinen. Zur antiarrhythmischen Wirkung von Prostaglandinen, über die polyungesättigte Fettsäuren wirken, existiert eine sehr umfangreiche internationale Literatur, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann, deren Bedeutung für Herzerkrankungen jedoch wiederholt (zum Beispiel Z Kardiol 1995; 84: 335-343) diskutiert wurde.
Literatur
1. Förster W: Prostaglandins and prostaglandin precursors as endogenous antiarrhythmic principles of the heart. Acta biol med germ 1976; 35: 1101-1112
2. Parratt J: Endogenous myocardial protective (antiarrhythmic) substances. Cardiovascular Res 1993; 27: 693702
Prof. em. Dr. sc. med. Werner Förster
Schleiermacherstraße 27
06114 Halle (Saale)


Schlußwort
Wir danken Herrn Professor Förster für die ergänzenden Bemerkungen. Antiarrhythmische Effekte von Prostaglandinen, die von Förster et al. 1973 beschrieben wurden (1), können, wie in unserem Artikel ausgeführt, teilweise den antiarrhythmischen Wirkungen von langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren zugrunde liegen. Allerdings sind die Mechanismen, über die Prostaglandine wirken, nicht eindeutig geklärt. Diskutiert werden neben einer verbesserten Sauerstoffversorgung und einer Hemmung der Plättchenaggregation unter anderem auch eine Hemmung der adrenergen Stimulation, eine Reduktion der Bildung von Sauerstoffradikalen oder direkte elektrophysiologische Effekte (2). Die Verwendung von n-3Fettsäuren geht aus den Studien von Förster et al. leider nicht eindeutig hervor, da die verwendete Fettsäure "Linolensäure" nicht weiter spezifiziert wurde und so offen bleibt, ob a-Linolensäure (C18:3 n-3) oder gLinolensäure (C18:3 n-6) appliziert wurde.
Wenngleich Prostaglandine aus dem Präkursor Arachidonsäure (C20:4 n-6) antiarrhythmisch wirken können, ergibt jedoch der direkte Vergleich von n-3- und n-6-Fettsäuren sowohl in klinischen wie auch in In-vitroStudien eindeutig bessere antiarrhythmische Eigenschaften der n-3-Fettsäuren. So erhöhte bei Patienten nach Myokardinfarkt die Supplementation mit n-3-Fettsäuren deutlich die Variabilität der Herzfrequenz (3), was als günstiger prognostischer Parameter für das Unterdrücken ektoper kardialer Aktivität betrachtet wird (4). Zudem zeigte eine weitere Studie an Kardiomyozyten, daß die n-3-Fettsäure Dokosahexaensäure (C22:6 n-3) die über a1-adrenerge Rezeptoren stimulierte Signalübertragung und Arrhythmogenität nachhaltig unterdrückte (5). Aus Arachidonsäure gebildete Prostaglandine hatten in dem Kardiomyozyten-Modell proarrhythmische Effekte, während Prostaglandine aus Eikosapentaensäure (C20:5 n-3) antiarrhythmisch wirkten (6).


Literatur
1. Förster W, Mest HJ, Mentz P: The influence of PGF2 alpha on experimental arrhythmias. Prostaglandins 1973; 3: 895-904
2. Parratt J: Endogenous myocardial protective (antiarrhythmic) substances. Cardiovasc Res 1993; 27: 693-702
3. Christensen HJ, Gustenhoff P, Korup E: Effect of fish oil on heart rate variability in survivors of myocardial infarction: a double blind randomised controlled trial. Br Med J 1996; 312: 677-678
4. van Ravenswaaji-Arts CMA, Kollée LAA,
Hopman JCW, Stoelinga GBA, van Geijn HP. Heart rate variability. Ann Intern Med 1993; 118: 436-447
5. Reithmann C, Scheiniger C, Bulgan T,
Werdan K: Exposure to the n-3 polyunsaturated fatty acid docosahexaenoic acid impairs a1-adrenoceptormediated contractile responses and inositol phosphate formation in rat cardiomyocytes. NaunynSchmiedeberg’s Arch Pharmacol 1996; 354: 109-119
6. Kang JX, Yunyuan LI, Leaf A: Differential effects of various eicosanoids on the contraction of cultured neonatal rat cardiac myocytes. Prostagland Leukot Essent Fatty 1996; (Suppl 1) 55: 128
Dr. med. Alois Sellmayer
Prof. Dr. med. Reinhard Lorenz
Prof. Dr. med. Peter Claus Weber
Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten
Klinikum Innenstadt der Universität München
Pettenkoferstraße 9 80336 München

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