ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2006Kopfläuse – Umgang mit einer wiederauflebenden Parasitose / Eine Standortbestimmung unter evidenzbasierten Kriterien: Nachbehandlung fehlt
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LNSLNS Die Arbeit von Richter et. al. geht bei der Infestation mit Kopfläusen unter dem Abschnitt „Behandlung“ nicht auf die Nachbehandlung mit Essigwasser zur Ablösung von Nissen vom Kopfhaar und gleichzeitiger Anwendung eines entsprechenden Kamms (zum Beispiel NISSKA) ein. Ist diese Therapie obsolet oder sogar wirkungslos? (1) Malathion, das pedikulo- und ovizid wirkt, war früher in Deutschland zugelassen. (2)
Es wurde wegen mangelnder Akzeptanz (äußerst penetranter Geruch) vom Markt genommen. Gemäß Zulassung musste es acht bis zwölf Stunden einwirken. Dies ist allerdings nicht erforderlich, weil eine 30-minütige Einwirkzeit ausreichte. Ein anderer Nachteil des Präparates ist seine leichte Entflammbarkeit. Bei der im Artikel angesprochenen
zunehmenden Resistenzbildung gegen Pyrethroidderivate inklusive Permethrin außerhalb Deutschlands könnte Malathion bei uns bei entsprechender Resistenzsituation wieder interessant werden. Die Behandlung mit Cocosöl (Aesculo Gel L, das laut „Werbung“ bei Schwangeren und Stillenden einsetzbar ist) oder Neembaumextrakt (unerwähnt bleibt Teebaumöl) ist durchaus kritisch zu sehen (Kontaktsensibilisierung). Gibt es langjährige Erfahrungen damit? Was ist mit ihrer Wirkung (pedikulozid, ovizid)? Es wird lediglich auf eine unveröffentlichte Arbeit verwiesen. Ein Wort zu Lindan. Diese neurotoxische Substanz ist ab 2007 generell verboten. Es wäre interessant zu wissen, wie häufig diese Substanz überhaupt noch rezeptiert wird. Dem Artikel fehlt ein Ausblick. Was gibt es für neue Substanzen oder werden wir als Therapeuten dank der zunehmenden Resistenzbildung gegen die verschiedensten Pedikulozide zur Untätigkeit verdammt. Es kann doch darüber hinaus nicht sein, dass Ivermectin als „Off-label“-Therapie eingesetzt werden muss. Ein abschließendes Wort zu der Anzahl der Kopfläuse pro Mensch. In der Regel findet man 5 bis 10 (!) adulte Läuse im Kopfhaar, eine durchaus vergleichbare Anzahl von Milben lässt sich bei der
Skabies nachweisen. Entomologisch sind Nissen ausschließlich die leeren Eihüllen. Dieser Tatsache wird in der Medizin allerdings nicht Rechnung getragen.

Literatur
1. Nash B: Treating head lice. BMJ 2003; 326: 1256–7.
2. Frinken A, Fölster-Holst: Pediculosis: Lausige Zeiten für lästige Gäste. Hautnah Dermatologie 2004; 5: 240–3.

Dr. med. Claus Oster-Schmidt
Zum Weyerdamm 5, 57610 Altenkirchen
1.
Nash B: Treating head lice. BMJ 2003; 326: 1256–7. MEDLINE
2.
Frinken A, Fölster-Holst: Pediculosis: Lausige Zeiten für lästige Gäste. Hautnah Dermatologie 2004; 5: 240–3.
1. Nash B: Treating head lice. BMJ 2003; 326: 1256–7. MEDLINE
2. Frinken A, Fölster-Holst: Pediculosis: Lausige Zeiten für lästige Gäste. Hautnah Dermatologie 2004; 5: 240–3.

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