ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2006Na, Mütterchen!? Marie Marcks ist alt geworden – und hat diesen Lebensabschnitt gezeichnet

VARIA: Post scriptum

Na, Mütterchen!? Marie Marcks ist alt geworden – und hat diesen Lebensabschnitt gezeichnet

Dtsch Arztebl 2006; 103(9): [56]

Rieser, Sabine

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Für meine Kinder, wenn sie in die Jahre kommen“ – für sie hat Marie Marcks ihr jüngstes Buch* geschrieben. Darin hat sie ihre Erfahrungen mit dem Altwerden verarbeitet und dabei offenbar auch Erlebnisse mit jenen, welchen sie das Buch gewidmet hat.
Da steht eine lange Frau vor einer kürzeren, hält die Hand weit hoch und sagt: „Na, Mütterchen, ich hab dich gekannt, als du noch so groß warst.“ Da bückt sich ein altes Paar auf der Wiese nach Löwenzahn und Kräutern und wird vom einem Spaziergänger gefragt: „Müssen Sie die Karnickel Ihrer Enkel füttern?“ Antwort: „Na ja, die sind halt in Urlaub. Mit so ’nem Rundum-Sorglos-Paket.“
Marcks hat nüchterne Prosa und ironische Reime mit ihren Zeichnungen kombiniert: Ein kahler, runder Mann im Badezimmer, der seine Frau wissen lässt: „Im Gegensatz zu dir kann ich mich noch sehen lassen.“ Zwei Freundinnen, die sich über die Zusammensetzung der perfekten Alten-WG zerstreiten. Manches ist genial getroffen, anderes ein bisschen fade und bisweilen unübersichtlich – vielleicht hängt das Urteil aber auch stark vom Alter des Betrachters ab.
Marcks (83) hat unlängst im Interview mit dem „Tagesspiegel“ erzählt, dass sie immer noch viel arbeitet. Sie ist fit, macht aber im Buch aus den Anstrengungen und Zumutungen der späten Jahre keinen Hehl – vor allem aus denen für die Frauen nicht: „Es gibt ihn noch, den Gutmenschen-Mann, versorgt seine Frau, wenn die nicht mehr kann, obwohl selbst nicht mehr so frisch und kregel. Doch: Ausnahme bestätigt die Regel“, lautet der Text zu einer Zeichnung.
Sie habe immer den Wunsch gehabt, nicht nur in Frauenfragen Karikaturistin zu sein, hat Marcks dem „Tagesspiegel“ gesagt. Den hat sie sich erfüllt, mit vielfältigen Zeichnungen für Blätter wie „Zeit“, „Brigitte“ und „Titanic“. Doch ihre Frauengestalten sind etwas Besonderes. Sie tragen lange Nasen, eigenwillige Frisuren, unvorteilhafte Fummel, sind nie zu jammerig im Gehetze zwischen Kindern, Küche und Konferenzraum. Aber mit verräterischen Pumps versehen, die offenbaren, welche Anstrengung es bedeutet, ein bisschen Eva im Alltagskostüm zu bleiben. Rie

* „Niemand welkt so schön wie du!“ ist erschienen im Verlag Antje Kunstmann und kostet 12,90 Euro.
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