AKTUELL: Akut

Chondroprotektiva: Orale Substitution wirkt wie Placebo

Dtsch Arztebl 2006; 103(10): A-577 / B-501 / C-481

Meyer, Rüdiger

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Ein in den USA und Deutschland populäres Nahrungsergänzungsmittel, das als Chondroprotektivum die degenerativen Prozesse im Gelenkknorpel aufhalten soll, war in einer randomisierten kontrollierten Studie nicht in der Lage, die Schmerzen besser zu lindern als ein Placebo (New England Journal of Medicine 2006; 354: 795–
808). Die Ergebnisse des Glucosamine/
Chondroitin Arthritis Intervention Trial (GAIT) waren mit Spannung erwartet worden, da immer mehr Patienten zu Präparaten mit den Knorpelbestandteilen Glucosamin und Chondroitin greifen. Ob ihre orale Zufuhr jedoch Gelenkdefekte verbessern kann, war bislang unklar. Da die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln von der Notwendigkeit entbunden sind, klinische Studien durchzuführen, hat das US National Center for Complementary and Alternative Medicine eine Studie mit 1 585 Patienten aufgelegt. Die Teilnehmer nahmen 24 Wochen lang entweder Glucosaminhydrochlorid (1 500 mg), Chondroitinsulfat (1 200 mg), eine Kombination beider Mittel (gleiche Dosis), ein Placebo oder Celecoxib (200 mg) ein. Der COX-2-Inhibitor, der in den USA zur Behandlung von Arthroseschmerzen zugelassen ist, diente dabei als aktive Kontrolle.

Primärer Endpunkt war eine 20-prozentige Reduktion im Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC), einem validierten Instrument zur Erfassung von Gelenkbeschwerden. Im Ergebnis waren beide Chondroprotektiva – allein oder in Kombination – nicht besser als Placebo. Erstaunlich war die gute Placebo-Wirkung. Insgesamt 60 Prozent der Patienten erreichten eine 20-prozentige Reduktion im WOMAC. Im Glucosamin-Arm waren es nur 3,9 Prozent mehr (p = 0,30), im Chondroitin-Arm stieg die Responderrate gegenüber Placebo um 5,3 Prozent mehr (p = 0,17), und unter der Kombination waren es 6,5 Prozent mehr (p = 0,09) als unter Placebo, was – wie die p-Werte zeigen – keine signifikante Verbesserung war. Diese trat nur im Celecoxib-Arm auf, wo es zehn Prozent mehr Responder gab als unter Placebo (p = 0,008).

Einzig in der Subgruppe der Patienten mit mittelschweren bis schweren Schmerzen wurde für die Kombination eine signifikant bessere Response als unter Placebo erzielt (79,2 versus 54,3 Prozent, p = 0,002). Doch dies vermag die Autoren um Daniel Clegg (Universität von Utah in Salt Lake City) nicht von der Wirksamkeit der Präparate zu überzeugen. Rüdiger Meyer
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