ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2006Heilmittel: Frust an der Basis ist gerechtfertigt
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Foto: Peter Wirtz
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Ihr Artikel über die aktuelle Problematik bei den Heilmittel-Richtgrößen wird den Frust und die Überreaktion wohl noch verstärken . . . Mit keiner Silbe wird aus der Sicht der betroffenen Ärzteschaft berichtet . . . Stattdessen wird dem Geschäftsführer des Verbandes der freien Physiotherapeuten breiter Raum gegeben. Unreflektiert werden Äußerungen der KBV übernommen („Denn es ist mehr Flexibilität ins System gekommen“) . . . Im Zusammenhang mit den Ängsten vor finanziellen Risiken, die durch das kurz vor der Verabschiedung stehende AVWG ausgelöst werden, musste den Verantwortlichen klar sein, dass das zusätzliche finanzielle Risiko für verordnende Ärzte mit Einführung der Heilmittel-Richtgrößen und den dadurch absehbaren Regressen die Kolleginnen und Kollegen in Verzweiflung stürzen würde. Die Absurdität sich widersprechender Regelwerke wie der Heilmittel-Richtlinien und der Heilmittel-Richtgrößen, gepaart mit der jahrelangen Erfahrung der in der Versorgung der Patienten tätigen Kolleginnen und Kollegen, die Prügelknaben der Krankenkassen und der Politik zu sein, lässt den Frust an der Basis absolut gerechtfertigt erscheinen. Eine freie Berufsausübung mit angemessenem und kalkulierbarem unternehmerischen Risiko ist so nicht mehr möglich . . . Der Berufsverband kann keinesfalls unseren Kolleginnen und Kollegen raten, sich im Blindflug in den Ruin zu bewegen. Eine Kontrolle über die ausgestellten und dann auch abgerechneten Verordnungen haben die Verordner nicht. Bisher waren die Programme der Praxen nicht auf eine Erfassung der Heilmittelpreise eingerichtet, da in vielen KVen aufgrund mangelnder Daten keine Richtgrößen vereinbart waren. Aufgrund der uneinheitlichen Formulare ist es auch wesentlich schwieriger als bei Arzneimitteln, eine automatisierte Erfassung der Verordnungsvolumina zu erreichen. Darüber hinaus hat jeder Verband von Heilmittelerbringern in jedem KV-Bezirk eigene Preise ausgehandelt. Die Informationen darüber treffen jetzt erst langsam bei den Kolleginnen und Kollegen ein. Erste offizielle Zahlen über das, was bei den Kassen und den KVen ankommt, werden wir im Spätsommer dieses Jahres bekommen. Dann wird es, auch bei einer jährlichen Betrachtung der Richtgrößen, schwierig für die einzelne Praxis werden, ggf. den Verordnungsrahmen anzupassen . . .
Dehtleff Banthien, Landesverbandsvorsitzender Schleswig-Holstein, Berufsverband Kinder- und Jugendärzte e.V., Heiligengeiststraße 17,
23843 Bad Oldesloe
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