ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2006Heilmittel: Gesunde Rentner gesucht
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LNSLNS Mit großer Entrüstung habe ich Ihren Artikel gelesen . . . Mit dem 10. Februar 2006 habe ich mein Heilmittelbudget bereits um 1 405,72 Euro überschritten = 26,48 Prozent. All meine Verordnungen sind für mich medizinisch indiziert gewesen. Wie soll ich mich nun weiter verhalten? Welche rechtliche Stütze habe ich, wenn ich weitere Rezepte verweigere? Kann ich mich auf das Budget beziehen und sagen, dass ich nun nicht mehr verordnen darf, ohne einen Strafprozess von Angehörigen zu riskieren? Denn bei einer weiteren Verschreibung notwendiger Therapien werde ich im Falle eines Regressanspruches meine Liquidität gefährden . . . Wie kann es angehen, dass wir mit einem Budget z. B. bei Rentnern von 17,17 Euro/Quartal auskommen sollen, wo eine Verordnung von zehnmal Krankengymnastik nach Bobath oder Vojta mit Hausbesuch eine Summe von 321,50 Euro ergibt? Wenn nun zusätzlich noch zehnmal Logopädie notwendig ist, summiert sich der Bedarf dieses Patienten auf 652, 60 Euro. Bei einem apoplektischen Patienten, der zusätzlich Ergotherapie benötigt, entsteht ein Verordnungsvolumen von 760,09 Euro (KG+ Ergo). Dies bedeutet, dass 38 bzw. 44,3 Rentner notwendig sind, die keine Heilmittelverordnung brauchen, um einen apoplektischen Patienten lege artis zu versorgen. Für meine sechs Patienten, die zurzeit
aufgrund o. g. Diagnose eine Heilmittelverordnung ausgestellt bekamen, benötige ich, sofern ich nur Krankengymnastik verordne, allein 112 Rentner ohne Bedarf, um mein Budget nicht zu überschreiten. Bei den Diabetikern, einem Krankheitsbild, was ja für jeden Allgemeinmediziner neben den Apoplektikern nicht selten ist, kommen Kosten für Podologie in Höhe von 78 Euro schnell zusammen, also brauche ich wieder mindestens 4,5 Rentner, um einen Diabetiker podologisch versorgen zu können. Von den 47 Diabetikern, die ich behandle, haben zwölf Patienten eine podologische Verordnung bis jetzt bekommen. Es ist also auch hier ein sehr wohl überlegtes Verordnungsverhalten zu erkennen. Aber für diese zwölf Patienten benötige ich, durch das von der KVSH vereinbarte Heilmittelbudget immerhin 54,7 Rentner ohne Verordnung, um mein Budget einzuhalten . . . Ist den verantwortlichen KV-/Krankenkassen-Vertretern diese Relation bei der Unterzeichnung der Vereinbarung überhaupt klar gewesen? Haben die Verantwortlichen den Bezug zur Realität verloren? Vielleicht lässt sich durch meine Schilderung klarstellen, warum es zum Einbruch bei der Verordnung von Heilmitteln kommt . . .
Marion Bollwinkel, Bremerplatz 3, 24943 Flensburg
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