ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2006Nordkorea: Erwartungen nicht zu hoch schrauben
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Foto: Norbert Jachertz
Foto: Norbert Jachertz
Viele der in dem Bericht über Nordkorea beschriebenen Eindrücke entsprachen meinen Erlebnissen aus dem Jahre 1981. Aber der Autor des Berichts „Medizineraustausch“ liegt mit seinen Feststellungen falsch, dass 2001 erstmalig Ärzte aus Nordkorea nach Deutschland kamen und erstmalig „in diesem Jahr“ deutsche Ärzte in Nordkorea selbst Kenntnisse und Erfahrungen weitergaben. Im Zusammenhang mit der Thematik Nierentransplantation waren schon im Zeitraum 1980 Ärzte aus Nordkorea im Krankenhaus Friedrichshain in Berlin und im Berliner Blutspendeinstitut. 1981 wurde ich mit einer MTA nach Pjöngjang eingeladen, um dort die Methoden der immunologischen Spender-Empfänger-Auswahl zur Organtransplantation zu erklären und zu demonstrieren und dortige Realisierungsmöglichkeiten einzuschätzen. Ich konnte zwar in einzelnen Vorträgen und Fachgesprächen mit dortigen (sicher ausgewählten) Ärzten unsere Ergebnisse darlegen und kurz unsere serologischen HLA-Typisierungsmethoden demonstrieren, wurde aber überwiegend durch die Museen und Gedenkstätten des „hoch verehrten und geliebten Führers und Feldherrn Kim Il Sung“ geführt. Der damalige koreanische Ge­sund­heits­mi­nis­ter demonstrierte mir an einer Nierenoperation, dass er selbst noch praktisch tätig sei. Insgesamt war für mich mein 14-tägiger Aufenthalt in Nordkorea hoch interessant, aber unter den dortigen politischen und desolaten ökonomischen Bedingungen konnte er für die medizinische Praxis in Nordkorea kaum nachhaltige Effekte zeigen. Ich glaube, auch heute sollte man von einem Medizineraustausch zwischen Nordkorea und Deutschland nicht zu viel erwarten.
Dr. sc. med. Klaus Richter, Salanderweg 5, 12685 Berlin
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