ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2006Die Grippeimpfung – eine kosteneffiziente Prophylaxe der koronaren Herzkrankheit: Händewaschen noch kosteneffizienter

MEDIZIN: Diskussion

Die Grippeimpfung – eine kosteneffiziente Prophylaxe der koronaren Herzkrankheit: Händewaschen noch kosteneffizienter

Bode-Böger, Stefanie M.

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LNSLNS Es ist doch bemerkenswert, dass sich die Kardiologen Laufs und Böhm Gedanken darüber machen, dass die Grippeschutzimpfung die kosteneffizienteste pharmakologische Maßnahme zur Verhinderung kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit darstellen könnte. Dazu ist zum einen festzustellen, dass es sich bei einer Grippeschutzimpfung um die Anwendung eines immunbiologischen Arzneimittels handelt (vom Bundesamt für Sera und Impfstoffe zugelassen) und in keinem Fall um eine pharmakologische Maßnahme.
Zum anderen stützt sich die Aussage mit auf die einzige bislang vorliegende prospektive Untersuchung zur kardiovaskulären Prävention durch eine Grippeimpfung: die FLUVACS-Studie. Diese Studie steht auf sehr wackeligen Füßen, wie die argentinischen Autoren Gurfinkel et al. selber in ihren ausführlichen Studienlimitierungen ausführen: Ungeklärt ist beispielsweise die hohe Übersterblichkeit in der Kontrollpatientengruppe mit Myokardinfarkt ohne ST-Erhebung. In der Gruppe Myokardinfarkt mit ST-Hebung wurde überhaupt kein Vorteil gesehen.
Die Studie sollte wohl eher als Denkanstoß zur Initiierung weiterer Studien gewertet werden, als zusammen mit einigen Beobachtungsstudien zu solch einer Aussage im Deutschen Ärzteblatt führen.
Noch einige Worte zur Grippeimpfung: Grippeimpfstoffe haben bei älteren Menschen nur einen bescheidenen Effekt, und dies ist in der Tat besorgniserregend, weil die Grippe in dieser Gruppe natürlich zu höheren Komplikationsraten und Todesfällen führt wie bei jüngeren Patienten und die Impfung in dieser Gruppe Standard sein sollte. Eine aktuelle systematische Übersicht (1) zeigt, dass der Nutzen einer Grippeschutzimpfung für die Gemeinschaft nur von bescheidenem Nutzen ist. Ältere Patienten in Altenheimen profitieren dagegen deutlich. Wie der Autor der Studie in einem Interview ausführte, ist Händewaschen die beste Therapie.
Wenn nun schon die Grippeimpfung nach Meinung der Autoren die kosteneffizienteste Therapie der koronaren Herzerkrankung darstellen könnte, wie sieht es dann erst mit dem Händewaschen aus?
Literatur
1. Jefferson T: Cochrane Vaccines Field, ASL, Italien. Lancet 2005; 366: 1165–74.

Prof. Dr. med. Stefanie M. Bode-Böger
Institut für Klinische Pharmakologie
Universitätsklinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg
1.
Jefferson T: Cochrane Vaccines Field, ASL, Italien. Lancet 2005; 366: 1165–74. MEDLINE
1. Jefferson T: Cochrane Vaccines Field, ASL, Italien. Lancet 2005; 366: 1165–74. MEDLINE

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