ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2006Medizingeschichten: Muskellähmung – Elektrotherapie

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Medizingeschichten: Muskellähmung – Elektrotherapie

Schott, H.

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LNSLNS Zitat: „Unter allen Mitteln für die Wiederbelebung der Muskelkraft ist dieses [die Anwendung des Electromagnetismus] das vorzüglichste. [...] Der erste Fall, bei dem ich den Electromagnetismus [1] anwandte, betraf einen russischen Seecapitän, der auf eine so scheussliche Weise gelähmt war, dass er von zwei Personen unterstützt zu mir gebracht werden musste, mit heraushängender Zunge und ohne Sprache, so dass ich ihn, nur um einen Versuch zu machen, zu einem Mann schickte, welcher einen electromagnetischen Apparat besaß. Wie erstaunt war ich, als derselbe Officier nach 6 Wochen ohne Stütze in mein Zimmer hineintrat, um sich für meinen guten Rath zu bedanken. – Auch bei Lähmungen der Genitalien, besonders der Impotenz, scheint dieses Mittel von sehr guter Wirkung zu sein. [2] [...]
Die Wirkung des Electromagnetismus auf die paralysirten Theile ist eine sehr erwünschte; schon die erste Application desselben erwies sich sehr günstig, obgleich nicht nachhaltig [...]. Der Kranke [3] hebt den rechten Arm stetig, nicht in Absätzen, ohne ihn zu schleudern bis zum Kopf; auch die Bewegung der Finger ist besser, er kann mit ihnen schon greifen, und den ergriffenen Gegenstand fester halten, wenngleich noch nicht mit Sicherheit [...].“

Johann Lukas Schönlein: Klinische Vorträge in dem Charité-Krankenhause zu Berlin. Redigiert und herausgegeben von L. Güterbock. Berlin: Veit 1842, Seite 444 f. – Schönlein (1793–1864) war seit 1824 Ordinarius für Innere Medizin und Direktor des Würzburger Juliusspitals, wo er eine neuartige Methode der Krankenbeobachtung praktizierte, um idealtypische Verlaufsformen von Krankheiten herauszuarbeiten („naturhistorische Methode“). Nachdem er aus politischen Gründen seiner Ämter enthoben wurde, übernahm er 1832 eine Professur in Zürich und wurde schließlich 1840 an die Universität Berlin berufen. Der Herausgeber Ludwig Güterbock (1814–1895) war Arzt in Berlin. – [1] Der englische Physiker und Chemiker Michael Faraday hatte 1831 die elektromagnetische Induktion entwickelt und damit auch die apparative Technik der Elektrotherapie auf eine neue Grundlage gestellt. [2] Die Impotenz wurde hier in Analogie zur Muskellähmung gesetzt und schien dementsprechend elektrotherapeutisch behandelbar zu sein. [3] Schönlein schildert hier die Krankengeschichte eines 27-jährigen „Arbeitsmannes“, der 1841 einen „apoplectischen Anfall“ mit Halbseitenlähmung rechts erlitten hat.

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