ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2006Learntec 2006: „Wissen macht gesund“

VARIA: Computer

Learntec 2006: „Wissen macht gesund“

Krüger-Brand, Heike E.

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Wissensvermittlung im Gesundheitswesen als Thema der HealthCare Arena

Längst geht es beim Einsatz von E-Learning nicht mehr vorrangig um die Technik, denn inzwischen werden für diese Form der Wissensvermittlung zahlreiche ausgereifte Lern- und Lehrplattformen angeboten; vielmehr stehen vor allem methodische und didaktische Fragen im Mittelpunkt. Dies gilt auch für Lösungen aus dem Gesundheitsbereich, wie in der Sonderausstellung der HealthCare Arena bei der Learntec in Karlsruhe anschaulich demonstriert wurde.
Vor allem die Kombination von Präsenzlernen und E-Learning – unter dem Begriff Blended Learning zusammengefasst – wird inzwischen in vielen Bereichen erfolgreich eingesetzt. Diese Kombination eignet sich nicht nur für die medizinische Aus-, Weiter- und Fortbildung, sondern lässt sich auch zur Patientenschulung einsetzen. Prof. Dr. Franziska Uhing, Fachhochschule Kiel, stellte ein interaktives Programm zur Patienteninformation vor. „DigiFit“ wurde im Rahmen eines Forschungsprogramms für das Klinikum Holsteinische Schweiz entwickelt und ist dort als verpflichtende Maßnahme in die Rehabilitation integriert. Es ergänzt eine reguläre Präsenzveranstaltung – einen Arztvortrag – zum Thema Rückenschmerz und kann von den Patienten selbstständig genutzt werden. Diese sollen anhand des Programms für die Ursachen und Zusammenhänge ihrer Erkrankung sensibilisiert und zur aktiven Auseinandersetzung motiviert werden. Die Software erstellt über Testfragen zu Beginn individuelle Nutzerprofile der Anwender und stellt darauf abgestimmt die Inhalte zusammen. Nach anfänglicher Skepsis vor allem bei computerunerfahrenen Nutzern werde das Programm gut angenommen, berichtete Uhing. Auch habe sich die Adaption der Software als grundsätzlich sinnvoll erwiesen. Die Berücksichtigung verschiedener Nutzertypen hinsichtlich Motivation, Erwartungen und Vorkenntnissen sei bei der Programmkonzeption allerdings wichtig.
Prof. Dr. Heinz Mandl und Susanne Schestak, Ludwig-Maximilians-Universität München, stellten eine Studie zum Blended Learning in der Facharztausbildung vor (www.campuspsychiatrie.de). Zwei Lerngruppen absolvierten einen achtwöchigen cme-zertifizierten Fortbildungszyklus zum Thema „Bipolare Störungen“. Die Offline-Gruppe bearbeitete ausschließlich Papierfälle, wohingegen die Online-Gruppe Präsenzlernen und Online-Lernen im Wechselspiel nutzte und auch ihre Prüfungen per Internet ablegte. Das Ergebnis: Zwischen beiden Gruppen bestand kein nennenswerter Unterschied hinsichtlich Akzeptanz, Motivation und subjektivem Lernerfolg. Die Online-Lerner beurteilten das fallbasierte Lernen und die Benutzerfreundlichkeit der computergestützten Lernmodule als gut. Schwierigkeiten bereitete lediglich die virtuelle Kooperation, zum Beispiel per Chat oder in virtuellen Konferenzräumen, und bei der tutoriellen Betreuung wurde noch Optimierungsbedarf festgestellt. „Zwar war der Online-Kurs nicht besser als der Offline-Kurs“, so das Fazit von Mandl, „aber man hat zumindest erreicht, dass eine neue Lernform auf eine hohe Akzeptanz stößt.“
Die Johanniter-Akademie realisiert Blended-Learning-Kurse mit dem Open-Source-System „MYFisto“ im Rahmen der Qualifizierung des Rettungsdienstes. Zielgruppe sind Rettungsassistenten und -sanitäter sowie in den Notdienst eingebundene niedergelasssene Ärzte, die 30 Stunden Fortbildung jährlich absolvieren müssen. E-Learning dient hier vor allem dazu, die Fortbildungsteilnehmer auf den gleichen Wissensstand zu bringen und dadurch die Präsenzlernphasen innerhalb der Fortbildung einerseits zu verkürzen und andererseits aufzuwerten, da Wiederholungen in den Präsenzkursen weitgehend entfallen können und die Zeit dem Problem- und Vertiefungswissen gewidmet werden kann. Dieser Ansatz beruht auf dem Gedanken der differentiellen Didaktik, wonach die Komponenten im Lehr-/Lernprozess entsprechend ihrer Vorteile genutzt werden sollen. Für eine erschöpfende Darstellung ist E-Learning danach nicht unbedingt geeignet, wohl aber für eine Einführung und einen Überblick in ein Thema. Die Vorteile liegen vor allem in der Qualitätssicherung, Standardisierung und Messbarkeit des individuellen Lernaufwands.
3-D-Echtzeitsimulationen sind ein viel versprechender Ansatz für die Medizintechnik-Branche, vor allem, um komplexe Systeme (wie Röntgengeräte) und Anwendungsprozesse im Rahmen von klinischen Workflows für Vertrieb und Marketing darzustellen und die Mitarbeiter intern in die Bedienung und die Geräteeigenschaften einzuführen. Darüber hinaus können solche Systeme, wie sie etwa die Spirit Link GmbH, Erlangen, anbietet, auch zur Schulung der Anwender eingesetzt werden. Die mobilen, im Vergleich zu realen Geräten kostengünstigen interaktiven Simulationssysteme ermöglichen realistisches Lernen in Echtzeit: Wenn der Anwender an der Bedienkonsole agiert, ändert sich unmittelbar auch etwas in der Anwendungsumgebung. Das Gerät kann in Echtzeit gesteuert werden, und die Steuereinheit, beispielsweise eines Angiographiegerätes, wird in der realen Geschwindigkeit aktiviert. Zusätzliche Informationen und Bedienungshinweise können in die Bedienoberfläche eingeblendet werden, etwa weitere Menüs, 3-D-Filme und Bilder. Die Lernumgebung lässt sich über Server auch online im Fernbetrieb (remote) verfügbar machen. In erweiterten Systemen können zudem mehrere User agieren und im virtuellen Trainingscenter gemeinsam Aufgaben lösen.
Wikis für die Medizin
Lernen mit freiem Wissen präsentierte Dr. med. Frank Antwerpes von der DocCheckAG, Köln, mit dem 2003 gestarteten „DocCheck Flexikon“ (http://flexicon.doccheck.com). Dabei handelt es sich um ein „Medizin-Wiki“. Wikis sind kooperative Redaktionssysteme, die es ermöglichen, Inhalte offen (ohne Login) und editierbar ins Internet zu stellen, um sie kontinuierlich fortzuschreiben. Die weltweit bekannteste freie Online-Enzyklopädie, die auf Wikis beruht, ist Wikipedia, die auch in einer deutschen Version zur Verfügung steht (www.wikipedia.de). Die Systeme sind äußerst einfach zu bedienen. Durch die Versionisierung der Beiträge lässt sich stets nachvollziehen, wie ein Inhalt entstanden ist. Das Flexikon umfasst inzwischen 12 000 Artikel, monatlich kommen 500 bis 700 Artikel hinzu. Circa 100 Ärzte arbeiten regelmäßig an dem Gesundheitslexikon mit, das sich in erster Linie an ein ärztliches Fachpublikum richtet. Langfristig soll ein medizinisches Expertensystem als offene Wissensdatenbank für Ärzte entstehen. Heike E. Krüger-Brand
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