ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2006Wirtschaftsraum Europa: Der Gesundheitsmarkt als Hoffnungsträger

VARIA: Wirtschaft

Wirtschaftsraum Europa: Der Gesundheitsmarkt als Hoffnungsträger

Spielberg, Petra

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Der Gesundheitsmarkt hat sich zu einem vielschichtigen Gebilde entwickelt. Das Lexikon Gesundheitsmarkt, herausgegeben vom renommierten Branchenkenner Dr. Uwe K. Preusker, bietet mit seinen fundierten Erläuterungen eine aktuelle und gute Übersicht. Das Loseblattwerk im Ordner kostet 119 Euro.
Der Gesundheitsmarkt hat sich zu einem vielschichtigen Gebilde entwickelt. Das Lexikon Gesundheitsmarkt, herausgegeben vom renommierten Branchenkenner Dr. Uwe K. Preusker, bietet mit seinen fundierten Erläuterungen eine aktuelle und gute Übersicht. Das Loseblattwerk im Ordner kostet 119 Euro.
Branche könnte sich „explosionsartig“ entwickeln.

Das Wirtschaftswachstum zu fördern ist eins der Top-Themen der Europäischen Union (EU). Auch nach der ernüchternden Halbzeitbilanz in 2005 hält die EU an ihrem Ziel fest, die Gemeinschaft bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen.
Eine der Branchen, von der man sich einen Schub in diese Richtung erhofft, ist der Gesundheitsmarkt. Nach Meinung von Kommissionsbeamten könnte sich die Branche in den nächsten Jahren „explosionsartig“ entwickeln und dadurch zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung sowie zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen.
Mit dieser Definition, die die ökonomischen Aspekte des Gesundheitswesens in den Vordergrund stellt und weniger dessen sozialpolitische Funktion, liegt die EU-Kommission im Trend. Dr. Uwe K. Preusker schreibt in seinem „Kompass Gesundheitsmarkt 2006“ (siehe unten): „Die neuere Sichtweise des Gesundheitsmarktes [. . .] betont [dessen] wachstumsfördernde Aspekte und seine starke Verflechtung mit anderen Branchen der Volkswirtschaft.“
Dass die zu erwartende Entwicklung des Marktes nicht nur ein Wunschtraum neoliberal gesinnter Eurokraten ist, lässt sich zudem anhand konkreter Zahlen festmachen: So wurden in Europa bereits zwischen 1995 und 2002 mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze im Gesundheitswesen und in der Sozialarbeit geschaffen. Das entspricht einer jährlichen Steigerung von durchschnittlich 2,4 Prozent und einem Anteil an den insgesamt neu geschaffenen Arbeitsplätzen in der EU von 18 Prozent. Damit arbeitet inzwischen jeder zehnte Erwerbstätige in Europa in der Gesundheitsbranche oder in der Sozialarbeit.
Die Altersentwicklung der Europäer dürfte darüber hinaus weitere Arbeitsplätze schaffen. Die EU-Kommission rechnet vor, dass im Jahr 2010 rund 69 Millionen Menschen älter als 65 Jahre sein werden. Das entspräche einer Verdopplung der Zahl der Senioren gegenüber dem Jahr 1960.
Die Wachstumsprognosen betreffen allerdings nicht nur die personalintensiven Branchen, wie die ambulante und stationäre Versorgung beziehungsweise die Pflege. Auch die Zulieferindustrie und Nachbarbranchen werden nach Ansicht von Experten vom steigenden Bedarf nach medizinischer und pflegerischer Versorgung profitieren. Dies gilt zum Beispiel für die Pharmaindustrie, die Heil- und Hilfsmittelbranche, die Medizinprodukteindustrie, die Biotechnologiebranche oder die sozialen Dienste.
In den Nachbarbranchen und der Zulieferindustrie steht dabei längst außer Frage, dass die Verflechtungen des Gesundheitsmarktes nicht vor nationalen Grenzen Halt machen. Im Kernbereich der medizinischen Versorgung ist diese Denkweise hingegen noch wenig verbreitet. Gleichwohl ist auch hier die Entwicklung hin zu grenzüberschreitenden Aktivitäten unverkennbar. Als Beispiele nennt Preusker die Bemühungen deutscher Krankenhäuser, ausländische Patienten zu behandeln, oder die Tatsache, dass Krankenkassen zunehmend im EU-Ausland Geschäftsstellen errichten.
Die Verflechtungen reichen inzwischen noch weiter: So hat Seguros, die spanische Tochter der Deutschen Kran­ken­ver­siche­rung DKV, Köln, den Zuschlag erhalten, die öffentliche Gesundheitsversorgung im spanischen Verwaltungsdistrikt Denia an der Costa Blanca zu übernehmen. Ab 2007 wird die Versicherung somit 15 Jahre lang für die Gesundheitsversorgung der im spanischen Gesundheitssystem gesetzlich Versicherten in der Region verantwortlich sein. Nach Angaben der DKV werden durch die Errichtung und den Betrieb eines Krankenhauses mit 220 Betten sowie eines geriatrischen Zentrums mindestens 400 neue Arbeitsplätze geschaffen. Petra Spielberg
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