ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2006Andrologie: Bauchumfang korreliert mit Testosteronspiegel

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Andrologie: Bauchumfang korreliert mit Testosteronspiegel

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Ein einfaches Maßband um den Bauch ist das beste Hilfsmittel, um Patienten mit einem erhöhten Risiko für Atherosklerose, Diabetes – und oft auch erniedrigtem Testosteronspiegel – zu erkennen und Präventionsmaßnahmen einzuleiten. Ab einem Bauchumfang von mehr als 94 Zentimetern ist das Risiko für ein metabolisches Syndrom erhöht, bei mehr als 102 Zentimetern sogar stark erhöht.
Als größtes endokrines Organ verändert das viszerale Fett die Hormonproduktion und erschwert darüber das Abnehmen, wie der Endokrinologe Prof. Armin Heufelder (München) ausführte: Im Fettgewebe wird Cortisol gebildet, der Leptinspiegel steigt, es kommt zur Insulinresistenz. Andererseits fallen Wachstumshormon und Testosteron – lipolytisch wirksame und muskelaufbauende Hormone – ab. Die Betroffenen sitzen dadurch in der „Insulinfalle“ und nehmen auch mit gutem Willen kaum ab.
Sie entwickeln ein metabolisches Syndrom, was nach einer skandinavischen Studie das Risiko für einen Testosteronmangel um den Faktor 2,6 ansteigen lässt. Ein Testosteronmangel wiederum erhöht das Risiko für ein metabolisches Syndrom oder einen Diabetes auf das 1,7- bis 4,3fache. Welcher Faktor nun primärer Auslöser ist, lässt sich nicht beantworten. Doch bei Männern, denen es gelingt, ihr Gewicht zu reduzieren, steigt Testosteron lange vor der Besserung der anderen Hormonwerte an.
Bewirkt Testosteron eine „Initialzündung“, um aus dem Teufelskreis herauszukommen? Verschiedene Studien deuten nach Ansicht Heufelders in diese Richtung: So wurde unter Testosterongel (Testogel®) eine Abnahme der Körperfett- zugunsten der Muskelmasse dokumentiert, die Insulin-Sensitivität verbesserte sich umso stärker, je niedriger das Ausgangs-Testosteron lag. Auch für die Injektionsform (Nebido®) konnte innerhalb von 90 Wochen ein Einschmelzen des Fettgewebes um 25 Prozent nachgewiesen werden.
Heufelder hat probeweise ein Programm für Prädiabetiker gestartet, bei dem eine Gruppe von motivierten Patienten zusätzlich zum „Gesamtpaket“ aus Bewegung, Muskeltraining und Ernäh-rungsberatung auch Testosteron erhält. Nicht nur der Bauchumfang flachte stärker ab als in der Vergleichsgruppe (neun versus drei Zentimeter), auch der HBA1c-Wert sank deutlicher (von 7,61 auf 6,38 versus 7,16).
Wie der Experte betonte, lohnt es sich nicht nur bei Prädiabetikern, nach einem Testosterondefizit zu suchen: Mindestens ein Drittel der Typ-2-Diabetiker und mehr als die Hälfte der Patienten mit ausgeprägten Formen dieser Zivilisationskrankheit weisen verminderte Testosteronspiegel auf.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

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